Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1024477
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Ich steure hin zu nie befahrnen Meeren; 
Minerva haucht, Apoll ist mein Geleit, 
Und die neun Musen zeigen mir die Bären. 
Wie nun jene Verpflanzung mythologischer Elemente 
in die Natur freilich nur als eine poetische Scenerie sich 
darstellt, die dem ganzen Standpunkt des Gedichts, na- 
mentlich der mythologischen Construction der Hölle ent- 
spricht; so erscheint auch diese Vorstellung von Gottheiten. 
die in das menschliche Leben eingreifen, als eine poetische 
Form. Aber man müsste sich über die Unermüdlichkeit 
des Dichters wundern, mit der dieselbe, was insbesondere 
die Anrufung der Musen betrifft, festgehalten und gerade 
an den bedeutendsten Punkten wiederholt wird, wenn es 
nur eine Form, wenn sie leer wäre. Dagegen spricht 
die Innigkeit, mit welcher er an die „Nährerinnen der 
Dichter" (Fegef. XXlI, .105) sich wendet. Vielmehr 
wenn wir den Kern der mythologischen Umhüllung suchen, 
da es dem Dichter wahrhaft um Hülfe von oben zu thun 
und er sich bewusst ist, ein göttliches Werk zu treiben; 
so ist es der Geist Gottes, den er anfleht, wenn er Apollo 
und den Chor der Musen anruft,  wie er anderswo 
auch aus den Mythen vom Jupiter die Idee des lebendigen 
Gottes hervorsucht. Wie also auch h-ier die heidnische 
und die christliche Vorstellung verknüpft oder vielmehr 
identificirt werden; so kommen wir auf den Punkt zurück, 
von dem wir ausgegangen sind, dass überhaupt die mytho- 
logischen Elemente der grossen Dichtung nicht bloss auf 
eine poetische Absicht sich zurückführen lassen, sondern 
dogmatisch-theologisclien Charakter haben. 
Uebrigens ist die Uebereinstimmung bemerkenswerth, 
 Anders ist es bei Alanus, der allerdings bei dem Ueber- 
gang zu den göttlichen Dingen einen Gegensatz macht zwischen 
dem irdischen Apollo und der himmlischen Muse, s. oben S. 237. 
Piper, Mythol. u. Symbol. d. chr. Kunst. I. 18
        

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