Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1024409
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heidnischen Frau eine sehr natürliche Reminiscenz). Ferner 
bei einer Hinweisung auf die Fahrt der Argonauten heisst 
es vom Neptun, dass er verwundert den Schatten des 
Schiffs erblickt habe 1). Auch wird Phönicien bezeichnet 
als das Land, aus welchem die Europa vom Jupiter ent- 
führt sei 2). Dieses directe Eingehen auf Göttergeschichten 
kommt jedoch kaum weiter vor. Und aus der I-Ieroen- 
geschichte ist es nur die mythische Vorgeschichte Bonns, 
auf welche einmal bei einer geschichtlichen Ueberschau 
von Kaiser Justinian zurückgegangen wird 3). 
Desto häufiger wird die heidnische Fabel ver- 
gleichungswcise benutzt, indem der Dichter überallher aus 
der Natur und dem gemeinen Leben, wie aus der Ge- 
schichte seine Gleichnisse entlehnt und so auch auf den 
Mythuszurückgeht,  ohne denselben dadurch anzu- 
erkennen; sein Inhalt wird als Sage vorausgesetzt, wofür 
die Dichter verantwortlich sind, wie Dante bei einer 
solchen Gelegenheit, da'er der Erneuerung der Aegi- 
neten aus Ameisen gedenkt, hinzufügt: wie die Dichter 
es für sicher halten 4). Entweder stellt er dem mythischen 
Ereigniss den Gegenstand, den er schildern will, gleich, 
oder noch häufiger lässt er jenes durch diesen überboten 
werden. Ein Gleiehniss der erstern Art gieht Beatrice 
zur Erläuterung, dass des Sterblichen Auge die Herrlich- 
keit des Himmels nicht ertragen könne 5): 
Dafern ich lachte, würde dir geschßhn, 
Wie Semelen, als sie in Staub verglühte; 
1) Dante Par. XXXIII, 
2] Par. XXVII, 84. 
a) Par. VI, 3. 34 ff. 
4) Inf. XXIX, 63. 
h) m. xxl, 4-6.
        

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