Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1024398
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Das Reich der Himmel muss Gewalt erleiden, 
Wenn Kraft der Lieb" und Hoffnung es hekriegt, 
Denn Gottes Wille wird besiegt von beiden. 
Und zum Schluss, indem er die Unerforschlichkeit der 
göttlichen Erwählung preiset, ermahnt er die Sterblichen 
im Richten an sich zu halten.  Hier aber erhellt, welches 
die letzte Absicht ist, in der der grosse Dichter Mytho- 
logie und Offenbarung zusammenbringt: indem er in dem 
Vater der Götter bei den Heiden den wahren Gott der 
Christen erkennt, erklärt er, dass dieser es gewesen, den 
auch die heidnischen Völker, wenn auch unter fremdem 
Namen verehrt haben, und verherrlicht wie seine Ge- 
rechligkeit, die schon an den Geschlechtern der Giganten 
und Heroen jede Sünde bestraft 1), so auch seine Gnade, 
die auch damals wach gewesen und den Weg des Heils 
geführt habe. 
4. Der mythologische Stoff, der so in das Gedicht 
hineingearbeitet ist, zieht nun noch andere heidnische Re- 
miniscenzen nach sich, in denen die Ereignisse der Mythen- 
geschichte als historische Voraussetzungen verkommen. Es 
wird unter den Bildern des gestürzten Hochmuths, wo 
von den Giganten die Rede ist, die Scene geschildert 2); 
Mars, Phöbus, Pallas standen hoch und hehr, 
Auf die zerstreuten Biesenglieder sehend, 
Bewaffnet noch, um ihren Vater her. 
Und in einem Traumgesieht, in welchem als Beispiel der 
Sanftmuth Pisistratus, der Herrscher von Athen, erscheint, 
erinnert dessen Gemahlin an den Streit der Athene und 
des Neptun um den Namen der Stadt 3) (im Munde einer 
1) Dahin gehört es auch, wenn die Verbrennung des Sonnenwagens 
auf das Gebet der Erde erwähnt wird mit dem Beisatz: als 
Jupiter geheimnissvoll gerecht war, Purg. XXIX, 120. 
2) Purg. XII, 31-33. 
3) Purg. XV, 98.
        

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