Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1024366
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und hier ist noch mehr nur die Scene antik gedacht, die 
Handlung aber christlich. Der Lethe flicsst auf dem Gipfel 
des Berges der Reinigung und begrenzt das irdische 
Paradies 1). Allerdings wird aus ihm Vergessenheit ge- 
trunken, aber Vergessenheit der Sünden 2): dies kann 
jedoch nicht eher geschehen, bevor nicht die Sünden 
bereut sind 3); und das Wort, das beim Eintauchen in 
diesen Fluss erklingt 4): nentsündige mich (mit Ysop, 
dass ich rein werde", Ps. 51, 9.) enthält deutlich die 
Beziehung auf das Blut Christi, durch dessen Gemein- 
schaft alle Schuld getilgt ist. S0 steht der Durchgang 
durch den Lethe und sein Erfolg durchaus im Zusammen- 
hang grosser christlicher Gedanken.  Auch für die 
Schilderung des Weges durch das himmlische Paradies 
hat der Dichter Motive aus der Mythologie genommen, 
sofern er die Erscheinungen seligen Lebens auf den 
Planeten nach dem Charakter der Gottheiten bestimmt, 
welche den Planeten den Namen gegeben (s. unten S.  
so weilen auf dem Stern der Venus die Seelen, die einst 
der irdischen Liebe gefröhnt haben, welche nun in die 
himmlische Liebe verklärt ist. Gerade bei der Gelegen- 
heit aber ist es, wo er sich gegen den heidnischen Wahn 
erklärt, „die schöne Kypris strahl, die thör'ge Liebe herab 
im dritten Epicyclus kreisend." Es ist nur eine gelegent- 
liche Benutzung der Planetennamen zur Charakterschilde- 
rung, ohne dass die Person der Gottheiten irgendwie 
zum Vorschein käme. 
1] Dante Pnrg. XXVIII, 25. 
2) Purg. XXVIII, 128. vergl. Par. IX, 104. 
ß) Purg. xxx, 142445. Kop.: 
Das hnhe Schicksal Gottes will" zertrümmert. 
Wenn Lethe überschritten würrP und Labung 
Der Art gekostet, sonder eine Zahlung 
Von Baue, welche 'l'hränen niederströmet. 
4) Purg. XXXI, 98.
        

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