Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1024275
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und aussen mit Bildwerk bedeckt sind, worin die ver- 
schiedenen Stadien eines Liebesverhältnisses enthalten sind, 
aber auch Frau Minne selbst vorgestellt wird. Das eine 
im Nachlass der Königin Wittwe von Baiern vcrmuthlich 
noch in München 1), aus dem vierzehnten Jahrhundert, 
mit reicher und geschmackvoller Verzierung zeigt auf 
der Kehrseite Frau Venus, deren Name (VENU) auch 
vorne auf dem Spruchbande sich findet: sie schiesst vom 
Bogen einen Pfeil dem eben dies Kästchen bittend empor- 
haltenden Minner in die Brust für eine andere neben ihr 
stehende Frau; worauf als nächste Folge Kuss und Um- 
armung der beiden Geliebten erscheint. Das andere 
Kästchen in der K. Kunstkammer zu Berlin 2), aus dem 
vierzehnten Jahrhundert, aber jünger als das vorige, ent- 
hält als Ilaupttlarstellung auf dem Deckel wieder die Frau 
Minne, die mit weitgebreiteten Flügeln gebildet ist, den 
Oberleib nackt, um die Hüften ein Tuch geschlagen: sie 
sitzt auf dem Rücken eines auf Ellbogen und Knieen 
liegenden bärtigen ltlannes,  eine Anspielung auf den 
Schwank vom Aristoteles. Zur Linken steht ein anderer 
bärtiger Alte der Frau Minne sein Leid klagend mit den 
Worten: „sie hatCs) dahina, wobei er auf die leere 
Stelle seines Herzens zeigt, welches eine auf der andern 
Seite stehende junge Frau in ihren Händen hält:  eine 
Hindeutung auf das Scheiden der Geliebten, welches auch 
in der grossen zum Rahmen dienenden Umschrift ausge- 
sprochen wird. 
L 
1) von der Hagen Ueber die Gemälde u. s. w. am a. O. S. 3081". 
2) I. C. 143. (v. Ledebur) Leitfaden für die K. Kunstkammer 
S. 12; beschrieben von Kugler Beschreib. der K. Kimstkammer 
S. 41. n. 74. von der Hagen a. a. O. S. 309-311.  
Kugler setzt das Kästchen um den Beginn des 14. Jahrln; 
nach von der Hagen ist es wenigstens hundert Jahre jünger als 
das erste und in's 15. Jahrh. zu setzen.
        

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