Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1024245
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Denn wie sie in der epischen Dichtung schon im 
zwölften Jahrhundert leibhaft auftritt, so wird sie zu 
Anfang des dreizehnten diu gotinne Minne genannt 1). 
Dabei fehlt auch nicht die Erinnerung an das heidnische 
Alterthum, die Beziehung auf die Venus, obwohl dieselbe 
in dem Gedicht des Alanus (s. oben S. 240.) noch unter 
den Lastern figurirt. Doch bald darauf ward sie als 
Minnegöttin gefeiert, nachdem für die Popularisirung ihres 
Mythenkreises gesorgt war durch die deutsche Ueber- 
Setzung der Metamorphosen Ovid's von Albrecht von 
Halbersladt um d. J. 1210, welche bei der herrschenden 
Richtung des Zeitalters einen empfänglichen Boden traf. 
Nicht lange, so unternahm Ulrich von Lichtenstein (im 
J. 1227) seinen abentheuerlichen Zug von Venedig aus 
bis nach Böhmen im Namen und verkleidet als Königin 
Venus,  wie er sich ankündigte durch einen voraus- 
gesandten Brief, in welchem „die werthe Königin Venus, 
Göttin über die Minne allen den Rittern, die in der Lom- 
bardei, zu Friaul, Kärnthen, Steiermark, Oesterreich und 
Böhmen gesessen sind, ihre Huld und ihren Gruss ent- 
bietet und ihnen kund thut, sie wolle sie lehren, mit 
wie gethanen Dingen sie werther Frauen Minne verdienen 
oder erwerben sollenß 2). 
Vor allem haben es die Lieder dieser Zeit, um die 
Mitte und in der zweiten Hälfte des dreizehnten Jahr- 
hunderts mit der Venus oder der Minne zu thun. So 
häufig wird sie von den nach ihr benannten Minnesingern 
angerufen,  wie von Heinrich von Stretlingen, dass 
Grimm 
Das erstere inllwein, das andere im Tristan, s. bei J ac. Grinn m 
Deutsche Mythol. 2. AuSg. S. 846. 
Ulrich von Lichtenstein Frauendienst, herausgegeben von 
Lachmann S. 162. Bearbeit. von Tieck S. 85.
        

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