Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1024073
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lichen Ideen umbildet, so geht umgekehrt die selbständige, 
zumal die lyrische Poesie dieser Zeit auch antiken Ideen 
nach: der Minnegesang schliesst einen wahren Cultus der 
Venus und des Amor ein. Diese Dichtungen gaben dann 
zunächst der Miniaturmalerei Veranlassung, mythologische 
Figuren und Scenen darzustellen. So beginnt also schon 
damals der von christlichen Ideen erfüllten Kunst eine 
weltliche, welche mythologische Motive aufnimmt, zur 
Seite sich zu stellen. 
Diese Elemente wirken zusammen, bis im vierzehnten 
Jahrhundert ein neuer Impuls sich geltend macht: die 
Begeisterung, mit welcher die grossen Dichter Italiens, 
Dante und Petrarca, der Poesie des klassischen Alterthums 
sich hingaben, und die grossartige Vermischung antiker 
und christlicher Anschauungen, wodurch Dante's Werke 
auch für die bildende Kunst epochemachend geworden sind. 
Der letzte und entscheidendste Wendepunkt aber tritt 
seit der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts ein, 
als die Richtung auf das Alterthum zunächst in Italien 
das herrschende Interesse wurde. Das offenbart sich so- 
wohl in der Wissenschaft durch die Wiederherstellung 
der klassischen Literatur, als in der Kunst, in welcher 
die antiken Vorbilder an der Tagesordnung waren. Aber 
auch die Sitte neigte sich der in vielen mythologischen 
Scenen nach der Auffassung des entarteten Heidenthums 
ausgesprochenen Lebensansicht der Lust und des Genusses 
zu: daher mythologische Motive nicht bloss in ihrer künst- 
lerischen und idealen Geltung, sondern auch um dieser 
praktisch-heidnischen Bedeutung willen Eingang fanden. 
Doch zuletzt noch einmal zu Anfang des sechzehnten 
Jahrhunderts wurden von der Kunst am Ziele ihres grossen 
Weges die christlichen Ideen, die bis dahin sie bewegt 
hatten, in wahrhafter Verklärung zur Anschauung gebracht, 
- in derselben Zeit und von denselben Meistern, welche
        

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