Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1024065
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und Religion der alten Völker, welches freilich lange 
Zeit auf Umwegen Nahrung suchte, ehe die klassische 
Literatur selbst in die mittelalterliche Bildung eindrang. 
 Vor allem war es ein wissenschaftliches Interesse, 
welches der Richtung der Kunst auf das Alterthum noch 
voranging, nehmlich die encyclopadische Behandlung der 
weltlichen Wissenschaften , welche im zwölften Jahrhundert 
einen neuen Weg einschlug und reger Theilnahme sich 
zu erfreuen hatte: dadurch kamen auch mythologische 
Ideen in Umlauf und boten sich an zur künstlerischen 
Darstellung,  wovon in dem Hortus deliciarum der 
Herrad von Landsperg Proben zu finden sind. 
V  Aber auch die Poesie ging in der Aufnahme mytho- 
logischer Vorstellungen den zeichnenden Künsten voran, 
auf welche sie in einer dreifachen Richtung einwirkte. 
Theils in Zusammenhang mit jenem wissenschaftlichen 
Interesse als didactische Poesie, da man den gesammten 
Umfang des Wissens in der Unterordnung unter eine 
christliche Idee darzustellen unternahm , wie in eben jenem 
Jahrhundert in dem Anticlaudianus des Alanus geschehen 
ist,  nachdem schon zu Anfang des eilften Jahrhunderts 
das encyclopädische Gedicht des Marcianus Capella in's 
Deutsche übersetzt war, welches später auch mythologische 
Kunstvorstellungen hervorgerufen hat. Dahin wirkte von 
einer andern Seite die epische Poesie, welche die klas- 
sische Heldensage sich aneignetc, freilich zunächst nur 
durch Uebertragung französischer Bearbeitungen: so ward 
die Aeneis gegen Ende des zwölften Jahrhunderts von 
Heinrich von Veldeke gedichtet; häufig geschah es 
mit der Sage vom trojanischen Krieg, die schon im 
zwölften Jahrhundert in's Deutsche übersetzt, dann im 
dreizehnten durch Herbert von Fritzlar, Conrad von 
Würzburg u. A. bearbeitet ist. Wie aber hier das Epos 
die Geschichten der griechischen Heroen nach mittelalter-
        

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