Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1024038
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zu Vulcanischen Stätten schleppten. Inmitten dieser Qualen 
hörte man ihn einige Heilige um Beistand anrufen, als 
plötzlich unter Donner und Blitz Männer von wunderbarem 
Glanz erschienen, welche sich dem Einsiedler als die 
von Dagobert zu I-lülfe gerufenen Dionysius, Mauritius 
und Martinas zu erkennen gaben. Sie entrissen dessen 
Seele den Dämonen und nahmen sie mit sich gen Himmel, 
den Psalm singend (65, 5): „Heil dem, den du er- 
wählest und zulassest, dass er weilet in deinen Vorhöfen!" 
 Die Moral wird besonders deutlich von Aimon gleich 
der Fabel beigefügt": von den Heiligen werde der Schmuck 
keineswegs verschmäht, den zu ihrem Gedachtniss fromme 
Männer beisteuerten; und Dagobert habe vornehmlich die 
Heiligen zu Hülfe gerufen, deren Kirchen er mehr als 
die übrigen bereichert zu haben sich erinnerte.  Be- 
merkenswerth ist, dass eine ähnliche Geschichte einige 
Jahrhunderte später zu einem ganz andern Zweck er- 
funden oder vielmehr dieser nachgebildet ist, nehirllicli 
um dem von Odilo Abt zu Cluny zu Anfang des eilften 
Jahrhunderts eingesetzten Fest aller Seelen Vorschub zu 
geben. Dieses Fest bezieht sich auf den Aufenthalt der 
Seelen im Fegefeuer,  eine Lehre, die zu Anfang des 
siebenten Jahrhunderts aufgekommen war. Daran knüpft 
aber auch jene Tradition von Dagobert an: denn die 
Vulcania loca, wohin er von den Dämonen über das 
Meer geführt wird, bezeichnen offenbar das Fegefeuer. 
Zugleich giebt dieser Ausdruck einen Fingerzeig über 
den Ort, wo man dieses Feuer zu finden" glaubte, nehm- 
lich in feuerspeienden Bergen, wie auch die Verlegung 
nach einer Insel unweit Sicilien auf den Aetna hin- 
weiset. 
Diese Tradition nun von Dagobert ist auch plastisch 
überliefert worden in den Basreliefs, womit sein Grab- 
mal zu St. Denis aus der Zeit Ludwigs des Heiligen
        

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