Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1023793
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dessen Gewand die Brust offen lässt, mit dem Nimbus 
um das Haupt, ihm zur Seite eine verschleierte Frau: 
das sind Pluto und Proserpina. Zu beiden Seiten der 
Tribune fünf verschleierte weibliche Figuren, von denen 
die eine ein Tamburin hält,  das sind die Seelen von 
Verstorbenen: sie werden von dem Mercurius, der einen 
Stab in der Rechten hat, den unterirdischen Göttern vor- 
geführt. Dabei die Inschrift lllercuri-zrs Minutius (das Fol- 
gende ist verlöscht).  In dem untern Felde sieht man 
unter Gewinden sieben Personen, Männer und Weiber, 
vor einem Kissen sitzend, welche ein Todtenmahl halten: 
vor ihnen stehen Schüsseln, Brodte und ein Ei ; über 
ihnen die Namen (Ezßsebie und Vincentizls), ein dritter 
ist verloschen. 
Für ein heidnisches Denkmal sind diese Vorstellungen 
geläufig, für ein christliches unerklärlich. Zwar das un- 
terste Bild liesse sich leicht auf eine christliche Agape, 
ein Liebes- und Gedächtnissmahl beziehen. Aber der 
Raub der Proserpina? S0 häufig auf heidnischen Grab- 
mälern besonders junger Mädchen, um das in blühender 
Jugend Dahingerafftsein zu bezeichnen, ist die Vorstel- 
lung der altchristliehen Kunst sonst durchaus fremd ge- 
blieben. Noch weniger lässt sich von dem obersten Bilde 
eine christliche Deutung geben. Bottari zwar will es aus 
dem Gleichniss von den zehn Jungfrauen erklären, von 
denen die fünf Klugen zum Bräutigam eingehen. Aber 
diese Jungfrauen im Evangelium haben Lampen, wie sie 
auch in der altchristlichen Kunst vorgestellt werden. Auch 
abgesehen davon will die ganze Scene zu dieser Auf- 
fassung nicht passen, während die andere Erklärung 
evident ist. Hiernach, da auch keine Spur des Christ- 
liehen in dem ganzent dreifachen Gemälde vorkommt, 
scheint dasselbe gleich dem vorigen für ein Werk des 
Heidenthums gehalten werden zu müssen.
        

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