Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1023744
200 
sogleich abzuweisen. Derselbe ist an beiden Enden ver- 
ziert durch zwei bekleidete weibliche Figuren mitGewinden. 
In der Mitte erscheint ein weibliches Brustbild in einem 
grossen Medaillen, welches von zwei schwebenden Victo- 
rien gehalten wird,  das ist die Verherrlichung der 
darin Beslatteten. Zu beiden Seiten unterhalb des Brust- 
bildes sitzen eine männliche und eine weibliche Figur, 
der Ocean mit der Urne und die Erde: zwischen ihnen 
ist Wasser, über welches in einem Nachen ein alter Mann 
rudert,  das ist entweder ein Bild des Lebens, oder 
es ist der Fährmann der Unterwelt. Endlich jenseits des 
Oceanus und der Tellus, unter den Füssen der Victorien, 
sieht man zwei Figuren, die für Fische (von der Art der 
Rochen) gelten können. 
Indiesen Fischen nun will Graf Clarac ein Zeichen 
sehen, dass der Sarkophag, den er inis dritte Jahrhundert 
setzt, christlichen Ursprungs ist, indem er auf die Ver- 
mischung heidnischer und christlicher Ideen in dieser Zeit 
hinweiset. Ein solches Kennzeichen können aber die Fische 
ganz gewiss nicht abgeben, da sie oft genug auf antiken 
Sarkophagen vorkommen und hier dazu dienen, die Vor- 
stellung von dem Meere weiter auszubreiten. Und da 
auf jenem Sarkophag gar nichts Christliches vorkommt, 
so kann auch aus dieser Veranlassung nicht von einer Ver- 
mischung heidnischer und christlicher Ideen die Rede sein. 
Mehr Rücksicht in dieser Beziehung verdient ein 
anderer Sarkophag in der Kathedrale zu Tortona l), der 
1) Abgehild. bei Mahillon lt. Italic. in s. Mus. ltal. T. l. P. 1. zu 
p. 223. (nicht ganz correct]. Eine umständliche Monographie 
über dieses Denkmal, auch mit vollständigem AhbilcL, ist von 
Gius. Ant. Bottazzi Degli enlhlemi 0 simholi tlell' antico 
Sarcofago esist. nella chiesa cattedrale di Tortona. Torten. 
1824. 4. (41 Bogen). Kurz beschrieben ist es von F. Osten 
Kunsmotizen aus Sardinien, im Kunstblatt 1845. N0. 99. S. 413 f.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.