Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1023221
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2. Solche Parallelen und Typen auch in Kunstdenk- 
mälern zur Anschauung zu bringen, dazu hat um dieselbe 
Zeit die bildliche Ausschmückung einiger Handschriften 
Anlass gegeben, in deren Text es ganz eigentlich auf 
diese Zusammenstellung abgesehen ist. 
Es ist dies erstens eine Handschrift aus dem Anfang 
des vierzehnten Jahrhunderts in der Bibliothek zu Bouen 1), 
welche „Fabeln des Ovid enthält, angewandt auf die Moral, 
mit Rücksicht auf den Tod Christi, auf die Apostel, die 
Märtyrer und den Stand der Welt." Zahlreiche Miniaturen 
stellen abwechselnd mythologische Gegenstände und andere, 
die aus der heiligen Schrift genommen sind, vor. Doch 
wohl so, dass die lelztern auf die ersteren bezogen werden: 
es scheint aber, nach einem Ausdruck in der Aufschrift zu 
schliessen 2), dass sie mit einander in Gegensatz gebracht 
sind. Ich bedaure das Verhiiltniss, welches zwischen diesen 
beiden Bestandtheilen obwaltet, nicht weiter verfolgen zu 
können, da es an allen Angaben dazu fehlt. 
3. Deutlich liegt aber die Anwendung der Profan- 
und Heroengeschichte als Gleichniss oder Instanz für die 
evangelische Geschichte in zwei Werken vor, die es un- 
mittelbar mit der typischen Erläuterung oder Vertheidigung 
der letzteren zu thun haben. 
1) Langlois Essui sur la calligr. des Mss. du moyen  age. 
p. 40. 
2) Der Titel lautet: Ci commencent les rebriches des fables ovide 
le grant translatees et ramenees a moralite et a voir sus la 
mort de Ihu crist et sus les martyrs et sus Pestat du monde. 
Das Wort- rebriche, das in den meisten Lexicis fehlt, ist nach 
Le grand Vocabul. Franq. Par. 1772. 4. T. XXIV. s. v. ein alter 
juristischer Ausdruck für Prozessschriften , welche die streitenden 
Partheien gegen einander vorbringen: es seheint demnach hier 
angewandt auf die einander entgegen gestellten Erzählungen aus 
Ovid und der heiligen Schrift.
        

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