Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1023195
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in den Himmel steigen wollten, und Nimrod, der (nach 
der Sage) des babylonischen Thurmbaus Urheber war 1). 
Im Paradiese werden zusammengestellt Agamcmnon und 
Jephtha, die beide thöricht und sündhaft ihre Töchter 
geopfert hatten 2). Aber auch Scävola und Laurentius, 
welche, der eine für das weltliche Boni, der andere für 
die Kirche leidend, durch des Feuers Pein in ihrem Willen 
unerschüttert geblieben wären 3); desgleichen Amyclas, 
(jener Fischer, bei welchem Cäsar im Ungewitter Obdach 
suchte) und Franciscus, von denen der erstere unter den 
Gefahren des Bürgerkrieges sorglos gemacht sei durch 
die Arniuth, die dieser sich zur Braut erkor 4).  Das 
sind indess nur Einzelheiten; im Fegefeuer aber hat der 
Dichter diesen Parallelismus ganz durchgeführt. In jedem 
der sieben Kreise des Beinigungsberges nehmlieh werden 
Beispiele der Tugend als eine Liebesgeissel, die zur 
Besserung treibt,  und des Lasters, als ein Zügel, der 
die Büssenden vom Bösen ablenkt h), gegeben: sie stellen 
sich theils in Marmorbildern dar, theils werden sie durch 
Geistersliinmen kund g-ethan, theils erscheinen sie im 
Traumgesicht oder es wird auf andere Weise daran 
erinnert. Ueberall werden neben Ereignissen aus der 
biblischen und Kirchengeschichte solche aus der Profan- 
geschichte, so wie aus dem Heroen- und selbst dem 
Göttermythus aufgeführt, die zum Theil aus 0vid's Ver- 
Wandlungen genommen sind: und dies nicht allein für 
"die Laster, sondern auch für die Tugenden. Also er- 
scheinen als Bilder gestürzten Hochmuths Lucifer, Nimrod, 
Saul, Rehabeam, Sanherib und Holofernes; aber auch, 
1) Dante Infern. XXXI, 44 ff. 77. 
2] Dante Parad. V, 66. 69. 
3) Ibid. IV, 83. 84. 
4) Ibid. XI, 68. 74. 
5) Vergl. Dante Purgat. XIII, 37-40. 
Piper, Mythol. u. Symbol. d. chr. Kunst. I. 
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