Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1023069
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den Rachen in den Bauch des Unthiers eindraxig, wo er 
die Eingeweide desselben verwüstete. Bestimmter wird 
die Parallele durch einen erst im Mittelalter hinzugefügten 
Zug, da nehmlich Tzetzes 1) meldet, Hercules sei heraus- 
gekommen, nachdem er drei Tage in dem Meerungeheuer 
zugebracht habe. 
Wenn man aber meint i), der Analogie mit Solchen 
heidnischen Traditionen verdanke die Geschichte des Jonas 
die Celebrität, deren sie sich bei den ersten Christen 
erfreute; so ist das gewiss irrig. Dass dieselbe, vor- 
nehmlich die beiden Scenen mit dem Walllisch, bei den 
Christen so beliebt geworden, hat seinen Grund in der 
Deutung, die Christus selbst (Matth. 12, 40) der Ge- 
schichte gegeben, als einem Vorbild seiner Auferstehung. 
Eben so wenig scheint die junge christliche Kunst 
antike Vorbilder dieser Art gehabt zu haben, um die 
Geschichte des Jonas darnach zu bilden. Denn die Be- 
freiung der Hesione ist überhaupt nur selten vorgestellt, 
und wo sie sich findet, kommt Hercules mit dem Meer- 
ungeheuer in keine Berührung. In einem Herculanischen 
Gemälde 3) sieht man ihn ein Felsstück nach dem Unthier 
werfen,  welches auch mit dem Wallfisch, wie er in 
christlichen Bildern erscheint, den Jonas verschlingend 
oder ausspeiend, gar keine Aehnlichkeit hat. In einem 
Mosaik der Villa Albani4), in welchem nur der Kopf 
des getödteten Llngeheuers aus dem Mecre hervorragt, 
ist derselbe von einem Pfeil durchbohrt und Hercules 
geht mit Bogen und Pfeilen in der Hand. Auf einem 
1) Schol. Lycophr. v. 34. T. I. p. 328. Müller. 
2) Raoul-Bochette Mlim. sur Ies antiq. chrät. I. p. 
a) Pittur. am. d'Erc0l. T. IV. Tav. 62. 
4) Winckelmann Monum. ined. n. 66. Platner 
Roms III, 2. S. 555. 
20. 
Beschreib.
        

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