Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1023000
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Instrument (Organ) gewesen, wodurch er gewirkt,  
besonders indem er den kranken Seelen, die das Göttliche 
in der Creatur suchten, ihrem Suchen entgegenkommend 
als den Mensch gewordenen Gott sich dargestellt habe.  
Abgesehen von dieser, weniger populären Vorstellung, 
besteht der Antitypus also darin, dass was Orpheus in der 
leiblichen und unvernünftigen Natur gewirkt, von Christus 
in der geistig-sittlichen Welt vollbracht sei, was bei 
jenem nur Zauberei gewesen oder Fabel, bei diesem in 
göttlicher Kraft und Wahrheit bestehe. 
Uebrigens ist bei Eusebius die Verwerfung des Or- 
pheus nur leise angedeutet:  es ist das auch nur die 
eine Seite der Meinung, die über ihn in der alten Kirche 
herrschte. Von der andern Seite ward er eben so gefeiert 
als Vorläufer der reinen Lehre, auf Grund der ihm bei- 
gemessenen Orphischen Gesänge. Beides wird schon um 
die Mitte des zweiten Jahrhunderts zusammengefasst von 
Justin dem Märtyrer 1): Orpheus, sagt er, sei der erste 
Lehrer des Polytheismus gewesen und habe 360 Götter 
gelehrt; später aber widerrufen und seinem Sohn Musäus, 
sowie den andern, die ihn hörten, den Einen Gott ver- 
kündigt in einer Weise, als habe er die Grösse Gottes 
von Angesicht geschaut.  
Hieraus erhellt, in welchem Sinn und mit welchem 
Recht auf altchristlichen Denkmälern Christus unter dem 
Bilde des Orpheus vorgestellt ist. 
Dazu gab es aber noch eine besondere Veranlassung 
in einer verwandten, seit ältesler Zeit unter den Christen 
auch künstlerisch ausgeprägten Vorstellung. Es ist 
jenes vorzüglich beliebte und so oft wiederholte Bild von 
dem guten Hirten, der die Schaafe führet und sie mit 
Namen rufet, welche seine Stimme kennen und ihm nach- 
Justin. 
Matt. 
Cohort. 
ad
        

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