Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1022784
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mit mehreren Lämmern. Hier ist auch Christus persönlich 
ganz in der Tracht des guten Hirten gebildet mit aufge- 
schürzter Tunica und dem kurzen Mantel (der Penula) 
darüber, mit einem Stabe in der einen Hand, mit der 
andern eins der Lämmer liehkosend. Doch ist auch um- 
gekehrt einmal der spätere Typus Christi für das Bild 
des guten Hirten benutzt worden, auf einer Lampe 1), auf 
welcher derselbe bärtig vorgestellt ist. 
S0 dürfte auf dem Wege organischer Entwicke- 
lung der ältere Typus des Christusbildes abgeleitet wer- 
den,  während die behauptete Abhängigkeit von dem 
Geist der griechischen Kunst und ihren Göttergestalten 
der jungen christlichen Kunst, die so leise und scheu 
auftritt, fremd erscheint: ein Apollogesicht ist man sich 
da kaum vermuthend.  Jener Weg führt aber weiter. 
Indem bei dem Hinausschreiten über den symbolischen 
Standpunkt, in dem Maass als die christliche Kunst ihrer 
selbst und ihrer höchsten Aufgabe sich bewusst wurde, 
das Streben zunahm, Christus persönlich zur Darstellung 
zu bringen, genügte jener ganze Typus nicht mehr, man 
verlangte mehr Ausdruck, mehr Würde und Gewicht: 
und so ist aus der in christlichem Geist frei schaffenden 
künstlerischen Phantasie der andere Typus geboren. Dass 
diese Richtung auf die persönliche Auffassung Christi zu 
dem Schritt geführt und die ganze Entwickelung beherrscht 
hat, lässt sich durch die merkwürdigen Reliefs eines alt- 
christlichen Sarkophags 2) erläutern, der später Gregor 
dem Fünften zum Grabmal gedient hat und jetzt in den 
Vaticanischen Grotten aufbewahrt wird: man sieht in diesen 
Reliefs den Uebergang von dem einen Typus zu dem 
1) Bei Bartoli Lucern. P. III. Tab. 28. M ünter Sinnb. H. I. 
S. 63. Taf. II. n. 35. 
2) Bei Bosio p. 61. Aringhi T. I. p..293. Bottari T. I. 
Tav. XXI.
        

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