Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1022752
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die alten Christen vom vierten Jahrhundert kein Bedenken 
fanden, den Heiland zu vergleichen, sich zum Muster 
genommen. In demselben Sinn, aber scharfer bestimmt 
und weiter reichend ist die Erklärung von Waagen 1): 
diese idealische Art der Auffassung sei ohne Zweifel von 
denen ausgegangen, welche von der antiken Religion zum 
Christenthum übergetreten waren; denn einmal mussten 
diese, von Alters her gewohnt, sich ihre Gottheit durch 
die Kunst sinnlich zu veranschaulichen, sich ungleich eher 
Zll einer Darstellung Christi entschliessen, als die aus 
dem Judenthum zu Christen Bekehrten, welchen ihre alte 
Religion jede Darstellung der Gottheit streng verbot: 
alsdann aber mussten jene Heidenchristen, aus dem Kreise 
ihrer Anschauungen heraus, sich Christus nothwendig 
gleich dem Apoll oder Mercur, als eine jugendliche Ge- 
Stalt vorstellen. Dagegen dem spätern Typus Christi 
Scheine mehr eine Tradition seines wirklichen Aussehens 
Zum Grunde zu liegen, worauf daher die Judenchristen 
Wenigstens mittelbar Einfluss gehabt haben möchten. Da- 
mit kommt, was den Charakter dieser beiden Typen und 
den Ursprung des ersteren betrifft, auch das Urtheil von 
Wilhelm Grimm 2) überein: wenn die ältesten Denk- 
mäler den Heiland ohne Bart, in voller jugendlicher Schön- 
heit darstellten, so sei das dem Geist der altgriechischen 
Kunst, der darin noch fortdauerte, gemäss gewesen; auf 
diese Weise habe das Idealische, wonach sie strebte, am 
leichtesten erreicht werden können:  in den Bildnissen 
der folgenden Zeit sei durch den Bart das Besondere und 
Menschliche schon angedeutet worden. 
Ich glaube jedoch von dieser Ableitung abgehen und 
1) Waagen Kunstw. und Künstler in Paris S. 196. 
z) Wilh. Grimm Die Sage vom Ursprung der Christushilder. 
Berl. 1843. S. 49.
        

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