Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1022637
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ehe sie organisch angeeignet waren und ihre umbildende 
Kraft erweisen konnten. Denn das ist doch erst die reife 
Frucht antiker Vorbilder und die einzige Parallele, m 
welche die christliche Kunst mit der antiken treten kann, 
nicht dass sie abgeschrieben werden, sondern dass wie 
die vollendeten Gestalten der alten Kunst aus dem Geist 
des Alterthums geboren sind, so die Werke der christ- 
lichen Kunst von dem Geist des Christenthums beseelt 
und die Formen von der Idee getragen seien. 
Dies zu verwirklichen war jedoch erst einer späteren 
Zeit vorbehalten. Selbst die Aneignung formeller Typen 
blieb damals eine vereinzelte Erscheinung. Erst zwei 
Jahrhunderte später kommen sie an die Tagesordnung. 
Das ist freilich eine Zeit, in welcher (mit dem Aus- 
gang des Mittelalters) der Geist des heidnischen Alterthums 
Selbst wieder auflebte. Daraus auch mögen sich Erschei- 
nungen erklären lassen, welche beweisen, mit wie wenig 
Wahl man mitunter Gestalten des Alterthums herausgriff. 
So ist der Gebrauch auffallend, der von der Figur der 
Diana an dem bronzenen Grabmal Sixtus IV. in der 
Peterskirche (in der Kapelle des h. Sakraments) gemacht 
iSt, welches Antonio Pollajuolo , ein trelflicher Bildgiesser, 
Goldschmid und Maler von Florenz, im J. 1493 ver- 
fertigte. Dort ist nehmlich unter andern personificirten 
Figuren die Theologie angebracht, wie die Ueberschrift 
Husweiset, und zwar in Gestalt jener Göttin als eine bis 
an den Schenkel entblösste Frau mit Bogen und Köcher. 
Diese Bildung ist von Winckelmann als eine Unge- 
reimtheit gerügtl). Sie wird jedoch einigermaassen be- 
greiflich durch die Bemerkung 2), dass man damals zuweilen 
antike Figuren nachzuahmen pflegte, ohne sich um die 
NL 
Winckelmann Vers. einer Allegorie W. II. 
Fernow zu Winckclmann a. a. O. S. 682. 
477.
        

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