Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1022572
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 namentlich in der Anordnung, dass an dem andern 
Ende eine betende Figur (Pietas) erscheint 1). Anderer- 
seits fragt es sich, 0b nicht auch in heidnischen Kunst- 
werken das Bild in die Mitte gestellt sein mag? 
Dies kommt in Erwägung bei zwei merkwürdigen 
Sarkophagen, deren Ursprung, 0b sie heidnisch oder 
christlich sind, streitig geworden ist: beide haben in 
der Mitte das Bild des Hirten mit dem Schaaf auf den 
Schultern. Sie werden ihrer ausgezeichneten Arbeit wegen 
nicht später, als in das zweite christliche Jahrhundert 
gesetzt. Auf dem einen, der in dem Cömeterium des 
Urbanus gefunden ist und jetzt im Garten des Palastes 
Sarkophage. Der eine enthält das Bild des guten Hirten an 
beiden Enden, bei Bottari T. II. Tav. LXXXVII, 2; ein 
anderer an dem einen Ende (das andere Ende ist abgebrochen), 
ebendas. T. I. Tav. XXXII, 1.; aber beide haben sonst kein 
Zeichen christlichen Ursprungs. Geradezu zweifelhaft erscheint 
mir dieser Ursprung bei einem dritten Sarkophag aus dem Va- 
ticanischen Cümeterium b. Bottari T. I. Tav. XXXVIII, 2., 
der vorne in der Mitte die Inschrift hat: Saturninus l et Musa 
filio l dulcissimo  fecerunt; links steht eine Frau zwischen zwei 
Bäumen, auf und unter denen Tauben sitzen; rechts ebenfalls 
zwischen zwei Bäumen, unter denen Schaafe stehen, steht ein 
Hirte mit einem Schaaf auf den Schultern. Nicht wegen der 
Eigennamen und des Prädikats dulcissimo (wie Raoul-Bochette 
will) ziehe ich den christlichen Ursprung des Sarkophags in 
Zweifel,  das Prädikat kommt häufig in christlichen Inschriften 
vor; sondern wegen der Stellung des Hirten und des dazu ge- 
wählten Seitenstücks,  so dass beide Darstellungen nur eine 
idyllische Scene zu enthalten scheinen. 
I) Dies ist der Fall in einem entschieden christlichen Sarkophag- 
relief im Belvedere, s. Beschreib. Roms II, 2. S. 32. n. 29. und 
an einem andern Sarkophag, den zwar Fea für heidnisch ge- 
nommen hat, der aber wahrscheinlich christlich ist, ebendas. 
S. 34. n. 98. Ebenso auf zwei Grabsteinen, die in der Mitte 
eine Inschrift haben, bei Boldetti Osservaz. p. 369. 377. 
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