Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1028190
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2. Erstens in sepulcraler Bedeutung. Auch dem heid- 
nischen Alterthum ist der Gedanke geläuüg, dass alles, 
was von der Erde gekommen ist, wieder zu Erde wird. 
Es fand auch ohne Beziehung auf mythologische Urabstam- 
mung allein die physiologische Thatsache ihre Würdigung. 
Und in der unabweislichen Anerkennung dessen kommen 
Männer der verschiedensten Art, auch von entgegenge- 
setzter philosophischer Ueberzeugung überein,  wodurch 
freilich der Gedanke eine verschiedene Anknüpfung und 
Begründung erhält. Xenophanes, der Stifter der e]eati- 
Schen Philosophie, erklärt in grösster Allgemeinheit I): 
5x yuiq; yräg nciura zai u"; yäu näwa Telsvrgl 
Ihm gegenüber steht ein Anhänger der epicureischen 
Lehre, Lucretius mit dem gleichen Ausspruchz): 
 quoniam dubio procul esse videtur 
Onmiparens eadem rerum commune sepulcrum. 
Insbesondere findet sich der Gedanke nicht selten 
da ausgesprochen, wo die sterblichen Ueberreste der 
mütterlichen Erde übergeben werden, wie auch der 
sterbende Cyrus bei Xenophon darauf hindeutet in den 
Worten 3): „Meinen Leib, Kinder, wenn ich werde vollen- 
det haben, sollt ihr weder in Gold noch in Silber, noch 
in etwas Anderes legen; sondern aufs baldigste der 
Erde übergeben: denn was ist seliger als dies, als mit 
der Erde vermischt zu werden, welche alles Schöne 
und alles Gute hervorbringt und nährt." Namentlich in 
Grabschriften 4), wie in der schönen Inschrift aus Cor- 
1) Xenop han. (fr. bei Sext. Empir. Adv. Mathem. X, 313. p. 539. 
Bekker) Fragm. 8. ed. Karsten. 
2) Lucret. Ber. nat. V, 259. 260. 
a) Xenoph. Cyropzxed. VIII, 7, 25. 
 S. die Grabschrift aus Athen, jetzt im hrittischen Museum, 
Boeckh Corp. Inscr. n. 749. v. 2: 
3x yuia; ßlladraiu yaia nällw yäyova.
        

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