Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1034511
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Lambek meint, sie begleite Adam und Eva aus dem Pa- 
radiese gleichsam des Trostes halber. Indessen so in der 
Geschwindigkeit konnten die Starnmeltern sich schwerlich 
trösten über das verlorene Paradies. Das begleitende 
Gefühl bei ihrer "Vertreibung, dem der Künstler hier Ge- 
stalt gegeben, musste wohl ein ganz anderes sein, nehm- 
lich Reue. Und so wird ohne Zweifel mit Recht von 
Montfaucon und Bottari jene lügur für die fllatlfrütot oder 
Poenitentia erklärt 1).  Es wäre freilich keine Veran- 
lassung, schon an dieser Stelle, wo nur von antiken Mo- 
tiven die Rede, dieses Bildes zu gedenken, wenn nicht 
auch bei den Alten schon dieselbe Vorstellung sich fände. 
Schon Phidias würde die Reue gebildet haben, wenn ein 
spätes Epigramm, welches ihm eine solche Statue bei- 
miSSW), geschichtlichen Glauben hätte; in der That aber 
war sie vonyAnelles in dem Gemälde der Verleumdung 
vorgestellt in schwarzem zerrissenen llrauerkleid, weinend 
und voll Schaam die sich nähernde Wahrheit nur von der 
Seite anblickend 3). Doch soll damit nicht gesagt sein, 
dass mit solchen Vorbildern jene biblische Composition 
in einem äusseren Zusammenhang stehe. 
Seit 
dem 
funfzehnten 
Jahrhundert. 
In umfassender Weise wird für die Darstellung mensch- 
licher Eigenschaften und Zustände von antiken Motiven 
Gebrauch gemacht erst seit der zweiten Hälfte des löten 
Jahrhunderts, zumal in Italien, wo das Studium des klas- 
sischen Alterthums mit so grossem Eifer ergriffen wurde, 
Und zwar finden sich diese Personiiieationen zuerst auf 
 Montfaucon Palaeogr. Gr. p. 191. Bottari Scult. e pitt. 
sagre T. I. p. 105. 
4') Auson. Epigr. XII. in simulachrunn Occasionis et Poenitentiace. 
a) Lucian. Caluln. non tem. cred. c. 5. 
Pipcr, Mythol. u. Symbol. d. chr. Kunsi I. 2. 44
        

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