Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1028035
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Poesie ausschliesst. Im Gegentheil, wenn die ältere Kunst 
in Durchführung mythologischer Motive den Eingebungen 
der Dichter folgt; so sind die neuern Meister der Land- 
Schaftsmalerei selbst Dichter: sie haben was durch Auf- 
geben des Mythus an Poesie verloren gegangen sein 
möchte, anderweit reichlich wieder eingebracht, sei es 
durch Unmittelbarkeit und schöpferische Kraft der Vor- 
Stellung, oder durch Tiefe und Wahrheit des Gefühls,welche 
aus ihren Werken spricht. So viele Gemälde der grossen 
Landschaftsmaler erwecken das idyllische Gefühl der Stille 
und Ruhe, des ländlichen Friedens, der frischen Kühle 
eines schönen Morgens, die Stimmung der Waldeinsam- 
keit, das sehnsüchtige Gefühl der Ferne oder das melan- 
cholische Gefühl der Vergänglichkeit. In andern ist die 
Poesie der Schilderung: in einem Gemälde von Willem 
van de Velde dem jüngeren 1) ist eine Küste mit einer 
hochgehenden See dargestellt, über welche eine dunkle 
Wolke tief herabhängend ihren schwarzen Schatten wirft, 
welche an das Homerische „und vom Himmel herab sank 
Nacht" erinnert.  Umgekehrt machen manche Gedichte 
den Eindruck von Gemälden, wie in der Genofeva von Tieck: 
Dicht von Felsen eingeschlossen, 
Wo die stillen Bächlein gehn, 
Wo die dnnkeln Weiden Sprossen, 
Wunsch" ich einst mein Grab zu sehn. 
Und wie es im Faust heisst: 
Doch ist es jedem eingehoren,  
Dass sein Gefühl hinauf und vorwärts dringt, 
Wenn über uns im blauen Raum verloren 
Ihr schmetternd Lied die Lerche singt; 
Wenn über schrollen Fichtenhühen 
Der Adler ausgebreitet schwebt, 
Und über Flächen, über Seen 
Der Kranich nach der Heimath strebt. 
299. 
ebendas. 
Sammlung , 
Sir Robert Peefs 
In
        

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