Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1034417
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zumal die römische Mythologie trieb in der spätern Zeit 
einen Zweig hervor, der an Ausbreitung alle übrigen 
Gebilde derselben übertraf, indem alle möglichen Lebens- 
verhältnisse, Eigenschaften und Thätigkeiten mythologiscli 
aufgefasst, jedes unter den Schutz einer besondern Gott- 
heit gestellt wurde. Jedoch die wenigsten von diesen 
haben es zu einem geschichtlichen Dasein und wirklichen 
Cnltus 1) gebracht, wie die Victoria. Meist blieben es 
abstracte Begriffe, Personilicationen, an deren Persön- 
lichkeit schwerlich geglaubt wurde. 
Künstlerisch aber vorgestellt, waren es vielmehr 
poetische Bilder, als mythologische Elemente, welche so 
der christlichen Kunst von dem heidnischen Alterthnm 
dargeboten wurden. 
Die junge christliche Kunst jedoch hat von diesen 
Bildern wenig Gebrauch gemacht. Sie war zu sehr er- 
füllt von der Wirklichkeit der grossen Thatsachen der 
heiligen Geschichte und zu sehr beschäftigt, den über- 
schwenglichen Ideen derselben Gestalt zu geben,  als 
dass sie diesen poetischen Gestalten hätte Interesse ab- 
gewinnen nnd sie nachbilden mögen. 
lind als sie später mit grosser Energie auch solche 
Gegenstände in ihren Kreis zog, war ihr das Alterlhmxi 
und seine Kunst frennl gctvorden, dessen Gedanken auch 
für sie nicht ausreichten: nun waren es eigene Gedanken, 
Erscheinungen des christlichen Lebens, welche in der 
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Davon sprichh mit dem Ausdruck der Verwerfung P n ulin us 
von Nola Ep. XVI. ad Juvium (vom J. 399) c. 4. p, 89, cd_ 
ßhmlmri: Cassu nomina tanquanl ideo nunniua quoque sint, in 
spccimn corpurntanl stultis cogitationlibns üngunt, stulßiusqnu: 
qnaun iinxerixll, donant honorc divino: unde et Spcs et Nemcsis 
cL Amor atque etiam Furor in simulacris colunlur cl, occipiti 
cnlvo sucratur Occasio et tua isma Fortuna luhrico male nixa 
globo iingitur.
        

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