Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1028005
über denen der Sonnengott aufgeht, sieht man in einem 
Gemälde des N. Berchem 1), wie die Morgensonne die 
aus dem Wasser gegen hohe Felsen aufsteigenden Dünste 
färbt,  oder wie sie auf das grössere Wegen wälzende 
Meer und die Massen der Gebäude, welche das Ufer 
schmücken, wirkt, und ein frischer Morgenwixid die 
Wellen kräuselt und die Bäume bewegt, in zwei Ge- 
mülden des Claude Lorrain i). Statt des persönlichen 
Ungewitters malte man die gewitterschwangere Luft und 
das von Sturm gepeitschte Meer. 
Allein innerhalb dieses künstlerischen Strebens nach 
Naturwahrheit giebt es selbst noch einen Gegensatz, da 
der Künstler entweder nur eine einzelne Erscheinung in 
einem einzelnen Moment nachahmen oder den geistigen 
Gehalt der Naturerscheinung wiedergeben will: im erstern 
Fall geht der Weg von der Natur zu dem Bilde der- 
selben als einem mehr mechanischen Produkt nur durch 
das Auge und die Hand, im andern Falle aber vor allem 
durch Geist und Gemüth des Künstlers:  wie beide 
Wege im Resultat auseinander-gehen, erhellt an dem Unter- 
schied zwischen einem Daguerreotypbilde, welches selbst 
nur durch einen Naturprocess entsteht, daher freilich an 
treuer Nachahmung der Wirklichkeit unübertrefflich ist, 
und einem wirklichen Kunstwerk. Obwohl auch für das 
letztere eine hinlangliche Weite besteht, da der Künstler 
der Summe der wirklichen Erscheinungen gegenüber ent- 
weder mehr empfänglich oder mehr schöpferisch sich verhal- 
ten kann. Aber der Weg zu dieser künstlerisch verklärten 
Darstellung derNatur ging durch jene Nachahmung ge- 
meiner Wirklichkeit hindurch, die man erst in seiner Ge- 
 Im Besitz des Lord Ashburton, Waagen 
in England Th. U. S. 93. 
ü] Beide in der brittischen Nationalgallerie, 
Th. I. S. 211. 210. 
Kunstw. u. 
W21 a g e n 
Künstler 
a. a. O.
        

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