Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1033275
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sind (wie Mesopotamien, Spanien, Grossbritannien), er- 
scheinen ganz als Werke der Natur. Hingegen die Länder, 
welche durch politische Grenzen bestimmt werden, so wie 
die Städte haben einen gemischten Charakter, da die erstern 
ihre Gestalt, die andern ihr Dasein durch Willensakte 
und Thätigkeit der Menschen erlangen. Doch tritt auch 
in diesem Fall, nachdem der Mensch die letzte Hand an- 
gelegt, sein Werk in die Analogie der Naturprodukte 
ein: jedenfalls lasst sich auf demGebiet künstlerischer 
Personification beides, das natürlich Gegebene und das 
menschlich Hinzugebrachte, sowohl nach der Auffassung 
des heidnischen Alterthums, als auch nach der Uebung 
der christlichen Kunst nicht scheiden. 
Die 
christliche 
Kunst 
hat 
VOH 
dieser 
Personification 
eine sehr ausgedehnte Anwendung gemacht. Bei der 
Heriibernahme der Kunstvorstellung aber aus dem klassi- 
schen Alterthum zeigt sich die Verschiedenheit, dass der 
heidnische Gedanke in ganzen Kirchengebieten mit ein- 
gedrungen ist, anderswo aber entschiedenen Widerstreit 
erfahren hat, während das künstlerische Motiv unbefan- 
gen zugelassen wurde. Daneben hat von einer andern, 
der jüdischen Seite her in der christlichen Ueberlieferung 
die Vorstellung von persönlichen Wesen Eingang gefun- 
den, die wenn nicht Städten oder Ländern, doch den 
Völkern vorgesetzt wären. So tritt in die kunstgeschicht- 
liche Entwickelung ein religionsgeschichtliehes Moment ein, 
welches geeignet ist, dem Gegenstande ein erhöhtes 
Interesse zu erwecken. Indem es aber vorzüglich dar- 
auf ankommen wird, die verschiedenen in diesem Bilder- 
kreise zusammentreifenden Motive zu sondern und nach 
ihrem Ursprung zu würdigen, ist es vor allem erforder- 
lich, die Entwickelung dieser Kunstvorstellnng und des 
ihr zum Grunde liegenden Gedankens im klassischen 
Alterthurn näher in's Auge zu fassen.
        

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