Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1032843
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Die allgemeine Symbolik, die in den Paradiesesströmen 
liegt, schliesst sich der Bestimmung dieses Altars besonders 
enge an: denn überall bei Reisen über Land und Meer 
sollte derselbe der Andacht eine geweihte Stätte er- 
richten, wie jene vier Flüsse den Lauf des Wortes Gottes 
durch alle Lande andeuten.  Wiederum zeigen sich 
zwischen den Symbolen der Evangelisten die Figuren der 
Paradiesesflüsse mit ihren Urnen emaillirt auf dem Deckel 
eines länglichen Reliquienkastens im Domschatz zu Bam- 
berg 1), der an den Seiten die Figuren der Apostel von 
Elfenbein enthält: sie sind jedoch nicht vollständig (es 
sind nur zwei vorhanden), da ein mittlerer Streifen ver- 
loren gegangen ist. 
Besonders bemerkenswerth ist noch das wiederholte 
Vorkommen dieser Flüsse an Taufgerdth. Es liegt dem 
ausser der sinnbildlichen Hindeutung auf die evangelische 
Verkündigung insbesondere die Beziehung zum Grunde 
auf die Erschaffung des Wassers überhaupt und der Pa- 
radiesesströme insbesondere, die bei der Einsegnung des 
Taufwassers ausgesprochen wird,  aus welcher Ver- 
anlassung bei einem solchen Text (der Benedictio fontis) 
schon in einer Handschrift des 9. Jahrhunderts (s. vorhin 
S. 515.) dieselben als wasserspeiende Köpfe vorgestellt 
sind. So erscheinen sie nun auch an einem Taufstein 
in der Michaeliskirche zu Altenstadt bei Schöngau in Baiern 
aus dem Ende des ilten oder dem Anfang des 12. Jahr- 
hunderts 2) in gleicher Bildung als gehörnte Masken, aus 
deren Mund Wasser strömt: und zwar zwischen den vier 
Evangelisten (die mit den Köpfen ihrer symbolischen 
1) Erwähnt von Waagen Kunstw. und Künstler in Deutschland 
Th. I. S. 85; die obigen Angaben habe ich aus eigener Ansicht. 
Sonderbarerweise ist unter den Symbolen der Evangelisten der 
Löwe ausgelassen und statt dessen der Engel doppelt vorgestellt. 
2) E. Förster im Deutschen Kunstblatt 1850. N0. 16. S. 122.
        

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