Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1032514
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sagen", doch ohne die letztere zu verwerfen.  Die 
ganze Entgegensetzung ist ja freilich sehr verfehlt und 
die theologische Erklärung einseitig genommen eben so 
irrthümlich, als wenn die Erscheinungen der Natur von 
der Vorsehung abgelöst werden,  während sie vielmehr, 
wie sie aus natürlichen Ursachen hervorgehn, so zugleich 
ein Ausdruck des stets lebendigen und fortwirkenden gött- 
lichen Willens sind. 
4. Zwischen diese beiden Erklärungen, die theologische 
und philosophische, tritt nun die künstlerische ein. Zuerst 
bei Raphael in seinen Tapeten: Veranlassung gab ihm die 
Seene mit Paulus und Silas im Gefängniss zu Philippi, 
wie ein gewaltiges Erdbeben entstand, dass die Grund- 
vesten des Gefängnisses sich bewegten und die 'l'hüren 
aufsprangen und Aller Fesseln sich löseten (Apostelgesch. 
16,  Da hat der Künstler dem Erdbeben nach my- 
thischer Art eine persönliche Ursache gegeben: es ist 
ein Riese, der in der Oeifnung der Erde erscheint, die 
er mit Schultern und Armen aufhebt 1). Aehnlich lässt 
Goethe das Erdbeben auftreten im 2. Theil des Faust 2). 
Flüsse. 
Nachdem das Meer neben der Erde als eins der 
Elemente der Welt  wie die heilige Schrift Himmel, 
Erde und Meer zusammenstellt  früher in Betracht 
gezogen worden (S.  blieb es noch übrig, die Dar- 
stellung der einzelnen Gewässer auf Ader Erde, der Flüsse 
und Meere, zu verfolgen. Es führt dies auf eins der 
reichhaltigsten Gebiete der christlichen Kunstmythologie: 
denn diese Personification hat nicht allein eine ähnliche 
1) Passavant Rafael von Urbino Th. 
Bcschreib. Bom's II, 2. S. 399. 
2) Goethe Nachgel. W. Bd. I. 1832. S. 
250. 
Platner 
136 ff.
        

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