Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1032498
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die der Natur das beimessend, die Allmacht Gottes ver- 
kennten. Damit stimmt Philostorgius überein, der arianische 
Geschichtschreiber der griechischen Kirche (um 425), 
indem er erklärt 1): das Erdbeben komme nach Gottes 
Rathschluss, als eine Geissel seines Zornes zur Bekehrung 
und Besserung der Sünder, nicht nach natürlicher Ordnung, 
wie die Schüler der Hellenen (Heiden) schwatzten, sei es 
von Ueberschwemmung, oder von eingeschlossener Luft. 
Auf diesem vermeintlich biblischen Standpunkt steht auch 
Cosmas Indicopleustes (um 535), indem er auf die Schrift 
sich beruft zum Beweise, dass das Erdbeben durch das 
göttliche Gebot komme und nicht vom Winde d. h. von 
dem gewaltsamen Andrang eingeschlossener Luft,  solche 
Fabeln (imiüovg) nehme er nicht an 2); ja er tritt mit 
einem gewissen Affekt dieser Ansicht entgegen, die er 
für eine Ausgeburt griechischer Hypothesen erklärt, und 
wirft den christlichen Weltweisen, welche sie angenommen, 
eitle Sophistik, Trug und Widerspruch mit sich selbst vor S). 
3. Bald darauf ist jedoch gerade diese naturwissen- 
schaftliche Erklärung zu allgemeiner Geltung gelangt. 
Für dieselbe spricht unter den Griechen Joh. Philoponus 
sich aus4), der bei dem Nachweis, dass die Erde die 
übrigen Elemente, Wasser, Luft und Feuer aufnehme, 
als Zeichen eingeschlossener Luft das Erdbeben anführt. 
Gleichzeitig ist es in der lateinischen Kirche vor allem 
Isidorus von Sevilla, der dieselbe Ansicht vertritt 5): 
nach den Sachkundigen, sagt er, habe die Erde gleich 
einem Schwamm Höhlungen, worin der Wind eintritt, der 
1) Philostorg. Hist. eccles. Lib. XII. c. 9. 10. 
2) Cosmas Topogr. christ. Lib. II. p. 156. e. sq. ed. Montfauc. 
a) Ibid. Lib. I. p. 121. c. 
4) Job. Philopon. De mundi crcat. Lib. lV. c. 10. 
5) Isidor. De nat. rerunx. c. 46. Vergl. s. Orig. Lib. XIV. c. 1. 
S. 2. 3.
        

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