Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1032445
482 
herbeiführte, im J. 79 die erschreckten Umwohner „viele 
grosse Männer zu sehen, alle menschliche Art überragend,  
wie die Giganten gemalt werden, welche bald auf dem 
Berge, bald in dem umliegenden Land und in den Städten 
bei Tage und bei Nacht auf der Erde zu wandeln und 
in der Luft zu schweben schienen"; auch in dem Rauch 
des Berges sollten sich Gestalten derselben gezeigt haben; 
ausserdem ward Trompetenruf gehört, und man glaubte, 
die Giganten standen wieder auf 1). 
Diese Mythen deuten die dreifache Erklärung des 
Erdbebens aus Wasser (wivie Thales annahm) 2), Wind 
oder Feuer an,  von denen die mittlere, die das Erd- 
beben aus der Wirkung eingeschlossener Luft ableitet, 
durch Aristoteles 3) zu allgemeinerer Geltung gelangt ist. 
Solche Erklärung der Naturkundigen hinderte aber 
das Volk nicht, das Erdbeben, wie andere übermächtige 
Naturerscheinungen, auf das Walten der Götter zurück- 
zuführen  nur war man vorkommenden Falls ungewiss, 
welcher der Götter für den Urheber anzusehen sei. Daher 
bei diesem Anlass die Römer, wenn es einer Sühne be- 
durfte, das Opfer darbrachten si deo si deae4). Und im 
christlichen Zeitalter geschah es häufig, dass die Heiden 
in dem Wahn, die neue Religion sei gottlos und errege 
den Zorn der Götter, aus diesem alle öffentlichen Un- 
glücksfälle, namentlich auch das Erdbeben ableiteten, mithin 
dieselben den Christen Schuld gaben,  wie aus dem 
römischen Nordafrica im J. 198 von Tertullian berichtet 
wirdä): „erhebt sich etwa der Tiber gegen die Mauern, 
1) Dio Cass. Hist. Rom. Lib. LXVI. c. 22. 23. 
2) Plutarch. Placit. philos. Lib. III. c. 15. 
a) AristoteLMeteor. Lib. II. 0.7. s. dazu Ideler T. I.p. 582 sqq. 
4) Aul. Gel]. Noct. Attic. Lib. II. c. 28. 
5) Tertullian. Apolog. c. 40. Vergl. Neander Kirchengesch. 
2. Aufl. Abth. I. Bd. 1. S. 157.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.