Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1032434
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Erdbeben. 
Ein neueres Bild mit der Personification des Erd- 
bebens giebt Veranlassung diese Vorstellung nicht ganz 
zu übergehen. Sie schliesst sich aber hier natürlich an, 
sowohl nach dem Inhalt jenes Bildes, als auch überhaupt, 
sofern das Erdbeben mit feuerspeienden Bergen häufig 
in Verbindung steht. Zuvor jedoch werden wir auf die 
Vorstellungen von der Ursache oder von dem Urheber 
des Erdbebens zu sehen haben,  zumal mythische An- 
klänge in dieser Beziehung auch im christlichen Zeitalter 
nicht fehlen.  
1. Natürlich ist im klassischen Zeitalter die mythische 
Auffassung auch dieses Phänomens altherkömmlich, die 
jedoch eine physische Erklärung durchscheinen lässt. Vor 
allem ist es der Gott des Meeres, Poseidon, der schon 
bei Homer wie der erdumfassende und -haltende, so auch 
der erderschütternde Gott ist (wie seine Beinamen an- 
zeigen Fanjoxog und "Evvociyatog oder Fvoaiggöwv), auch 
ausdrücklich als Urheber des Erdbebens geschildert wird 1). 
Damit hängt es zusammen, dass er, nach Späteren 1), 
Berge zerreisst und Inseln bildet. Doch wird frühzeitig 
das Erdbeben auch dem Dämon des Wirbelwindes, dem 
Typhoeus beigemessen 3), auf dem der Aetna lasten soll 4). 
Wie aber unter feuerspeienden Bergen überhaupt die 
Giganten gelagert sein sollen, so werden diese endlich 
für Urheber des Erdbebens gehalten: demnach glaubten 
beim Ausbruch des Vesuv, der den Untergang Pompejfs 
1)Hom. I1. 11', 57 ü". 63. So heisst er auch 22111111159 yäg bei 
Pind. Isthm. III. v. 37. und Iwoizrwg yaiocg bei Sophocl. 
Trach. v. 502. Vergl. Senec. Nat. quaest. Lib. VI. c. 23. 
z) Callimach. IIymn. in Del. v. 30-33. 
n) I-Iesiod. Theog. v. 820 sqq. 868 sqq. 
4) Pind. Olymp. IV. v. 7. Pylh. I. v. 20. 
Piper, Mythol. u. Symbol. d. chr. Kunst. I. 2. 31
        

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