Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1032303
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Psalterium des H. Jahrhunderts zu Florenz 1) enthält zu 
Anfang in einer rohen Federzeichnung den Erdkreis 
mit den 4 Hauptwinden, die dann weiter in jene Zahl 
von Winden abgetheilt werden.  In diesen Fällen dienen 
die Winde das Bild der Erde zu ergänzen, indem sie 
die dieselbe umgehende bewegte Luft, überhaupt die At- 
mosphäre andeuten. Viel umfassender ist eine merkwürdige 
Federzeichnung in einer Handschrift des 12. Jahrhunderts 
zu Wien 2), in welcher mittelst der 12 Winde ein Bild 
der ganzen Welt gegeben werden soll als Gegenbild des" 
Menschen, der als eine Welt im Kleinen aufgefasst wird. 
Der letztere Gedanke führt zurück auf die alterthümliche 
Lehre von der Zusammensetzung des menschlichen Körpers 
aus den 4 Elementen, die, wie wir früher (S. 90.) ge- 
sehen haben, schon bei einem griechischen Kirchenlehrer 
des 3. Jahrhunderts, dem Origenes sich lindet. Hiernach 
hat Hieronymus diese ganze Stelle lateinisch in eine 
Streitschrift um das J. 399 aufgenommen  Nach dem 
Vorgang aber der cappadocischen Kirchenlehrer aus der 
2. Hälfte des 4. Jahrhunderts, welche von dem Menschen 
den Ausdruck Mikrokosnzos brauchen 4), zeigt Ambrosius 5) 
1) Bibl. Laurent. Plut. XVlI. cod. 3. Bl. 1. s. Bandini Catal. 
cod. "lat. bibl. LaurentQT. I. p. 324. Es wird jedoch nicht aus- 
drücklich bemerkt, ob die Winde auch hier personilicirt sind. 
2) Cod. membr. in fol. Suppl. n. 372. Bl. 29. Diese Handschrift, 
die unlängst erst nach Wien gekommen ist, enthält auf den 
ersten Blättern Annalen bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts, 
sodann chronologische und astronomische Tafeln und Aufsätze. 
Die Nachweisung derselben verdanke ich Herrn Dr. Watten- 
hach in Berlin; eine Durchzeichnung des gedachten Bildes den 
Herren Birk und Camesina in Wien. 
a) Hieronym. Lib. contr. Ioann. Jerosol. c. 25. Opp. T. II. 
p. 431. e. 
4) Suicer Thesaur. v. ymgöxoayog T. II. p. 369 sq".  
5) Ambros. In hexaöm. Lib. VI. c. 9. S. 55. p. 135.
        

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