Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1031879
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12. Jahrhundert nehmlich schrieb der Priester Potho, 
Mönch im Kloster Priflingen bei Regensburg, sein Buch 
De miraculis s. Mariae, worin folgende Erzählung 1), 
die gewissermaassen einen geschichtlichen Commentar zu 
dem Hymnus Ave maris stella bildet. Der Verfasser will die 
Begebenheit von dem Abt, dem sie begegnete, selbst er- 
kundet haben. Dieser Abt befand sich mit vielen andern zu 
Schiffe mitten auf dem britannischen Meer, als ein solches 
Unwetter einbrach, dass alle am Leben verzagten. Man 
rief die Heiligen an, ein jeder den, mit dem er vertraut 
war: der eine den Nicolaus, der andere den Andreas, 
andere einen andern,- niemand aber die Maria. Als das 
der Abt sah, sprach er zu ihnen: „Was heisst es, dass 
ihr die minder mächtigen Heiligen anruft, nicht aber die 
Mutter der Barmherzigkeit, die mehr als alle kann. Gut 
zwar ist was ihr thut; aber viel besser wäre es, wenn 
ihr alle einstimmig zur Mutter Gottes flehtet". Das ge- 
schah: man .rief sie an unter andern mit dem Namen Tu 
dei mater alma (wie im zweiten Verse des Ave maris 
stella). Und wunderbar! Sofort erschien auf der Spitze 
des Mastes ein grosses Licht gleich einer Wachskerze, 
welches die nächtliche Finsternissverscheuchte und alle 
im Schiff mit Glanz übergoss: das Unwetter legte sich, 
auf Befehl der Himmelskönigin trat grosse Meeresstille 
ein. Bald brach ein heiterer Tag an und das Schiff lan- 
dete glücklich. „O Stern des Meeres, heller als alle, 
mächtiger als alle zu helfen!" ruft der Verfasser aus. 
Der Zweck der Legende liegt vor Augen und spricht 
1) Potho Lib. de mirac. s. Mariae c. 28. herausgegeb. von Bern. 
P ez Ven. Agnetis Blannbekin vita et revelationes. Access. Pothonis 
Liber de mirac. s. dei genitricis Mariae. Viennae 1731. 8". 
p. 363-365. Diese Legende ist auch mitgetheilt im Anhang 
zu den gleich anzuführenden Marienlegenden S. 272-274. 
vergl. das. S. XIX.
        

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