Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027773
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vor ihm zurückweicht und den Flussgott Jordan, der mit 
Schrecken vor ihm flüchtet, gleich dem rothen Meer bei 
dem Durchgang der Israeliten nach Ps. 114. Dagegen 
zeigt sich bei dem Leiden Christi die trauernde Theil- 
nahme der Natur in der so häufigen Darstellung von 
Sonne und Mond oberhalb des Gekreuzigten, welche 
schmerzvoll ihr Antlitz verhüllen. 
I)och hat dies Verhüllen zuerst eine rein physische 
Bedeutung, da die Verlinsterung der Sonne bei dem Tode 
Christi dadurch ausgedrückt werden soll. Dieser Umstand 
greift in eine interessante Frage über die Bedeutung der 
Lichtgoltheiteot in der bildenden Kunst ein. 
In der Natur nehmlich ist die Finsterniss lediglich 
die Abwesenheit des Lichts; durch die Entfernung des 
leuchtenden Körpers wird es dunkel. Im Mythus aber 
werden die Personilicationen der Naturkrälte wie mit der 
positiven, so auch mit der negativen Kraft ausgestattet: 
die Lichtgottheit sendet nicht bloss die Helle, sondern 
auch die Finsterniss. Es fragt sich, 0b das auch in der 
Kunst anwendbar ist. Man hat es verneint in der Mei- 
nung, die Gegenwart eines Gottes könne hier nur seine 
wirkende Kraft bedeuten und nur dadurch, dass man ihn 
vorstellt als sich entfernend, lasse sich ausdrücken, dass 
die Wirkung aufhöre: es könne also die Anwesenheit 
eines Lichtgotts nicht bezeichnen, dass es finster sei 1). 
Aber die Kunstdenkmaler widersprechen: allerdings wird 
die Finsterniss gerade durch den gegenwärtigen Licht- 
gott angedeutet, insofern er verhüllt erscheint,  sei 
es dass er selbst sein Strahlen-Antlitz verbirgt oder dass 
eine andere Figur seine Wirkung aufhebt. Ein Beispiel 
der letztern Art giebt eine Vorstellung auf dem Deckel 
eines antiken Sarkophags aus den ersten Zeiten des dritten 
Beiträge 
Archäol. 
Jahn 
286.
        

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