Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1031689
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Zweifel aus der vorerwähnten Composition Tizians, seines 
Lehrers, entnommen hat. Es stellt die Zeit dar, welche 
den Sieg der Religion über die Ketzerei herheiführt, und 
befand sich ehemals im Kaufhaus der Deutschen zu Venedig 
mit drei andern allegorischen Gemälden desselben Meisters, 
mit denen es neuerdings für die K. Gallerie zu Berlin 
erworben ist 1). Die Religion, eine in einem Buche lesende 
Matrone, erscheint mit einem Genius neben sich, im 
Hintergrunde über ihr erblickt man einen Theil des 
Thierkreises; im Vorgrunde liegt die Ketzerei, eine 
scheussliche und abgezehrte Alte; neben ihr, auf sie 
herabhlickend, ragt der Gott der Zeit hervor, ein Greis 
mit langem, grauem Bart, mit einer Sense in der Linken, 
den rechten Arm auf die Erdkugel gestützt: zu seinen 
Füssen sind zwei Genien, der eine mit Winkelmaass und 
Zirkel.  
Vor allem ist noch eine Vorstellung zu bemerken, 
die eine beliebte Aufgabe der neuern Kunst geworden 
und in einer ganzen Folge von Kunstwerken (worauf 
schon im Eingang S. 397. hingedeutet wurde), nicht 
bloss in Kupferstich und Malerei, sondern auch in Sculptur 
ausgeführt ist: das ist die Vorstellung der Zeit, welche 
die Wahrheit gen Himmel hebt. Eine Composition dieses 
Inhalts enthält ein Kupferstich von Corn. Matsys 2),  
ohwohl die ganze Allegorie vermulhlich schon früher 
vorgekommen und nicht erst von seiner Erfindung ist; 
man erblickt in der Luft den fliegenden Gott der Zeit, 
der die_ Wahrheit, eine ganz nackte weibliche Figur 
(mit der Inschrift Veritas filia Temporis) am Arme hält; 
hinter ihr die missgestaltete Finsterniss,  die Ver- 
Aufgestellt unter n. 304. 
Wovon ein Exemplar im 
a. a. O. S. 276. 
Museum zu 
Gotha, s. 
Rathgeber
        

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