Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1031583
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bietet auch das klassische Alterthum für diesen Janus 
mit drei Gesichten als Symbol der dreifachen Zeit eine 
Analogie dar in einem alten Schnitzbilde des Zeus zu 
Argolis mit drei Augen 1), welche eine dreifache räumliche 
Beziehung haben, nehmlich seine Aufsicht und Herrschaft 
intden drei Reichen, im Himmel, auf Erden (oder im 
Meer) und in der Unterwelt andeuten. 
Eine eigenthümliche Vorstellung der Zeit findet sich 
bei den Byzantinern in dem Bilde der Zeitkreise mit 
dem Bade des Lebens, welches bei den Jahreszeiten 
schon vorgekommen ist 2). Die Mitte dieses Bildes nimmt 
zwar nach der Anweisung des griechischen Handbuchs 
für Kirchenmaler die Figur der Welt ein, ein bejahrter 
bärtiger Mann, thronend, mit einer Krone auf dem Haupt, 
mit ausgestreckten Händen und mit zwölf Rollen im Schooss, 
welche auf die Sprachen der Welt hindeuten; aber in 
dem entsprechenden Gemälde der Kirche zu Sophades 
ist statt dessen die Zeit (mit beschriebenem Namen Xgdvog) 
vorgestellt 3) als ein junger, unbärtiger Mann, gleichfalls 
mit der Königskrone geschmückt, der in einem Tuch eine 
Menge prächtiger Blumen hält 4). Bemerkenswerth sind 
diese Blumen so wie die jugendliche Gestalt der Zeit: 
es bedeutet dies einerseits, dass sie selber nicht altert,  
andrerseits, dass sie ihre Pfleglinge verjüngt und neues 
Leben schafft, indem sie auf den Winter stets den Früh- 
ling folgen lasst. Ueber den Bereich des natürlichen 
Kreislaufs hinaus scheint aber der Gedanke sich nicht zu 
 Pausan. Graec. descr. Lib. II. c. 24. S. 5. 
2) S. oben S. 335 ff. 
s) Vergl. Didron Annal. archeol. T. I. p. 244. col. 2. not. 2. 
4) Wogegen in den verwandten Bildern des lateinischen Mittel- 
alters statt den Zeit die Figur des Jahres die lilitte einnimmt 
(s. oben S. 379 L),  wie auch 196110; im spätem Griechisch 
die Bedeutung "Jahr" hat.
        

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