Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1031571
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Trinken oder der Genuss, überhaupt aber auch das thatige 
Leben der Gegenwart angehört, welche das mittlere 
Gesicht repräsentirt, während die beiden andern die 
Erinnerung der Vergangenheit und die Erwartung der 
Zukunft umfassen. Auch abgesehn aber von der Be- 
schäftigung, welche hier dem mittleren Gesicht geboten 
wird, darf man in der Dreifachheit der Gestalt nicht eine 
höhere Würdigung der Gegenwart suchen, welche die 
christliche Kunstvorstellung habe andeuten wollen im 
Unterschied von der antiken, wo durch die zwei Ge- 
sichter nur der Hinblick auf Vergangenheit und Zukunft 
ausgedrückt, die Gegenwart ausser Acht gelassen sei l). 
Eine solche Unterscheidung würde erstens der Denkungs- 
art der verschiedenen Zeitalter nicht entsprechen, da es 
keineswegs in der Art des klassischen Alterthums ge- 
legen hat, die Gegenwart zu versäumen, viel eher von 
einer im Mittelalter herrschenden Richtung sich sagen 
lasst, dass sie die Vergangenheit und Zukunft über die 
Gegenwart erhoben habe. Sodann schliesst auch der 
alterthümliche Janns die Beziehung auf die Gegenwart 
nicht aus, denn er hat in derselben seinen Standpunkt, 
von welchem aus er Vergangenheit und Zukunft über- 
blickt; und da beide Dimensionen bis an die Gegenwart 
reichen, die nur die Grenze derselben ist, so hat er, in- 
dem er beide überschaut, auch die Gegenwart unter 
Augen. Wird noch ein Gesicht für die Gegenwart hin- 
zugefügt; so tritt zu den beiden Dimensionen der Zeit, 
die als eine gerade Linie zu denken ist, als drittes die_ 
Dimension des Baumes hinzu, indem die Gegenwart in 
einer Fläche ausgebreitet gedacht wird, welche zu über- 
schauen das mittlere Gesicht bestimmt ist. Uebrigens 
Wie Crosnicr will, 
p. 267. 
im Bullet. monum. 
par de Cawnont T. 
XIV.
        

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