Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1031458
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Thür und der Eingang des Jahres, Anfang und Ende sei, 
wird hieraus gefolgert: daher heisse er bifrons und werde 
zweigestaltig gemalt I). 
Die sämmtlichen Monate nun sind häufig dargestellt 
in Miniaturen zur Ausschmückung des Kalenders, dann 
auch an Kirchenportalen. Aber merkwürdig ist, dass 
gerade in dem heidnischen Vorbilde dieser Monatsbilder, 
dem Kalender des Furius Dionysius um 354 (s. oben 
S.  der Januar nicht in Gestalt des Janus er- 
scheint, sondern durch einen bürgerlichen Akt angedeutet 
ist, nehmlich durch die Person des Consuls (der am ersten 
Januar sein Amt antrat), wie er Weihrauch opfert 2). 
Ebenso ist es in den frühesten christlichen Miniaturen 
dieser Art lediglich eine ländliche oder häusliche Scene, 
welche auch den Januar charakterisirt: in einer Hand- 
schrift aus dem Ende des 10. Jahrhunderts im britischen 
Museum 3) das Pflügen mit vier Ochsen; in der eben- 
genannten Stuttgarter Handschrift aus dem 12. Jahrhundert 
die Jagd, angedeutet durch einen Mann in halber Figur, 
neben dem im vollen Lauf ein Hund und ein Häschen 
sich zeigt; in einer andern Stuttgarter Handschrift aus 
dem l2ten oder 13. Jahrhundcrttl) ist es ein Bauer mit 
ausgezogenem Stiefel, der am Feuer sitzend den nackten 
Fuss an den Flammen erwärmt und aus einem Gefäss 
trinkt. Auch in den Mosaiken von St. Denis aus dem 
1] Hiernächst ist von Vincen t. Bellov. Spec. natur. Lib. XV. 
c. 80. p. 1141. c. zur Erklärung des Januar wieder die angef. 
Stelle des Isidorus aufgenommen. 
2) Hiernach ist auch in der leydener Handschrift des Aratus aus 
dem 11. Jahrhundert (s. oben S. 225.) der Januar dargestellt 
durch einen Mann in prächtiger Kleidung, der Weihrauch opfert. 
a) Cod. Cotton. Tiber. B. V. s. Pertz Archiv Bd. VII. S. 1012_ 
4) Es ist das Psalterium des Laudgrafen Hermann von Thüringen, 
s. Kugler Museum, 1834. S. 98.
        

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