Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1031416
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Es ist dies der früher besprochene Votivschild des Theo- 
dosius vom J. 393 in der K. Academia de la historia zu 
Madrid, der ausser der Hauptvorstellung die Figur der 
Tellus enthält nebst fünf Knaben, welche von unten und 
oben auf den Kaiser zufliegend ihm Blumen und Früchte 
darbringen: diese fünf Genien dürfen nach Analogie der 
Jahreszeiten, welche als Knaben in der Vierzahl gebildet 
zu werden pflegen, für die Personification der fünf Jahre 
des Lustrum gelten, dessen dreifacher Ablauf in der 
Begierungsdauer damals gefeiert wurde 1). 
Dagegen hat die christliche Kunst im spätern Mittel- 
alter, nachweislich seit dem 12. Jahrhundert selbständig 
die persönliche Darstellung des Jahres unternommen, womit 
auch die demselben untergeordneten Zeitkreise, die Jahres- 
zeiten, Monate und Tageszeiten, umfasst werden. So 
findet sich das Bild des Jahres in dem Computus bei dem 
Chronicon Zwifaltense minus aus dem 12. Jahrhundert 
in der K. Bibliothek zu Stuttgart 2),  nicht ohne eine 
biblische Beziehung. Die Vorderseite des Blattes nehmlich, 
dessen Rückseite diese Vorstellung enthält, giebt ein Bild 
der Schöpfung 3): das Bild des Jahres, welches sich daran 
anschliesst, erscheint mithin als eine weitere Ausführung 
zum vierten Schöpfungstage nach Anleitung des Spruches 
von den Himmelslichtern (1 Mos. i,  welche scheiden 
sollen Tag und Nacht und Zeichen geben zu Zeiten 
(Jahreszeiten, Monaten), Tagen und Jahren. Das Ganze 
bildet ein Viereck, worin ein dreifacher Kreis beschrieben 
ist. Den innersten Kreis nimmt die "sitzende Figur des 
Jahres ein, mit der Ucberschrift Annas, eine ehrwürdige 
 S. oben S. 63. 
2) B1. 17. h. Vergl. Waagen Kunstw. u. Künstler in Deutschland 
Th. II. S. 189. Eine Durchzeichnung ist in meinem Besitz. 
3) S. oben S. 150.
        

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