Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1031246
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aber ohne die Sichel (die man zur Andeutung des Mondes 
erwarten würde), auch ohne Strahlen; sie hat langes wehen- 
des Haar, welches bis tief in's Gesicht hinabreicht, so dass 
davon ihre Augen wie von einer Binde bedeckt werden. 
Deshalb wird sie auch von dem Tage, der mit der Rechten 
ihre Linke gefasst hält, geführt. Dies Motiv übrigens, 
die Nacht mit verbundenen Augen darzustellen, welches 
im klassischen Alterthum keinen Vorgang hat, findet sich 
schon in einem altern Miniaturbilde, von welchem bald 
die Rede sein wird. In erhobener Arbeit ferner ist die 
ganze Scene des ersten Schöpfungstages ausgeführt in 
einer eigenthümlichen, etwas dunkelu Darstellung auf dem 
silbernen Kreuz der Laterankirche 1): oben erscheint in 
halber Figur Gott Vater, von dem der heilige Geist in 
Gestalt der Taube ausgeht, um über dem Wasser der 
Tiefe zu schweben. Dieses ist durch horizontale Streifen 
bezeichnet, in denen zwei Hügel sichtbar sind, vermuth- 
lich eine Andeutung der Veste: zu beiden Seiten derselben, 
mit halbem Leibe im Wasser stehend, sind zwei nackte 
Figürchen in einer Mandorla gebildet, wahrscheinlich Tag 
und Nacht,  und einander in dem Sinne gegenüber- 
gestellt, dass die eine aus dem Wasser sich erhebt, 
während die andere in dasselbe untertaucht. 
Mit Sicherheit sind diese Personilicationen zu erkennen, 
zu denen noch die des Lichtes und der Finsterniss hin- 
zukommen, sännntlich durch lnschrilten bezeichnet, in 
einem merkwürdigen Doppelbilde zu Anfang einer Bilder- 
bibel aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in der 
Bibliothek Lobkowitz in Prag i). Das obere Bild zeigt 
 Ciampini Vet. Monim. P. II. p.44. Tab. X. fig. 2. Eine Scene 
von der Kehrseite dieses Kreuzes ist oben S. 125. Anm. 2. an- 
geführt. 
Q) Waagen im Deutschen Kunsbblatt, 1850. N0. 19. S. 148.
        

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