Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1031238
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lsraeliten voran, die Feuersäule, in welcher der Herr 
bei Nacht vor ihnen herzog, sie _den rechten Weg zu 
führen (2 Mos. 13,  Auf diese Vorstellung werden 
wir später noch zurückkommen, wenn die Personification 
der Flüsse zur Sprache kommen wird. 
Endlich zur Geschichte des ersten Schöpfungstages, 
wie Gott das Licht und die Finsterniss scheidet und Tag 
und Nacht macht, finden sich vornehmlich die letztem 
in Person dargestellt nicht allein in Miniaturen, sondern 
auch in Sculpturen. Ein solches Miniaturgemälde ent- 
hält in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts der 
Hortus deliciarum der Herrad von Landsperg zu Strass- 
hurg 1): worin die Nacht mit dem in Halbkreis über dem 
Haupt wallenden Schleier (wie in dem Bilde des Jesaias) 
erscheint. Eine seltene Erscheinung in der mittelalter- 
lichen Kunst sind die Statuen des Tages und der Nacht 
aus dem 13. Jahrhundert am Nordportal der Kathedrale 
zu Chartres 2), wo das ganze Sechstagewerk durch Sta- 
tuengruppen in der Art zur Anschauung kommt, dass 
das Werk jedes Tages in der Regel dem Schöpfer gegen- 
übergestellt ist. Hier aber ist es eine andere Figur, 
vielleicht Moses, welcher mit dem Buch in der Hand 
sinnend dasitzt und zwar abgekehrt von den Figuren des 
Tages und der Nacht. Diese sind fast ganz nackt: nur 
von einem umhangenden Mantel werden die beiden Seiten 
des Tages bedeckt, wie auch ein Streifen desselben von 
der linken Schulter der Nacht bis zwischen ihre Füsse 
hinabreicht. Der Tag ist ein junger Mann, unbärtig, mit 
kurzem Haar, hat grosse offene Augen und eine Fackel 
in der Linken. Die Nacht, in weiblicher Gestalt, hält 
in der Rechten eine Scheibe, vermuthlich ein Gestirn,- 
 Engelhardt Herrarl von Landsperg S. 72. 
u) Ahgeb. bei Didro n Annal. archäol. V0]. IX.
        

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