Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1031182
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Das sind die antiken Voraussetzungen für die christ- 
liche Kunst, welche Einzelnes hieraus entlehnt hat: doch 
sind im spätem liflittelalter die Tageszeiten selbständig 
von ihr vorgestellt,  eine Selbständigkeit, welche auch 
die neuere Kunst behauptet, obwohl auch hier die Wieder- 
aufnahme antiker Motive sich wirksam zeigt. 
Im 
christlichen 
Alterthunn. 
Wenn auch in Bildwerken des christlichen Alter- 
thums die Vorstellung der 'l'ag'eszeitex1 nicht sicher nach- 
zuweisen ist; so fehlt es doch nicht an der poetischen 
Personification derselben, deren Betrachtung uns zu der 
Kunstvorstellung hiniiberleilen wird. 
Schon das Alte Testament geht damit voran. In 
dem herrlichen Psalm, der von den Himmeln anhebt, 
welche die Ehre Gottes erzählen, heisst es weiter: „ein 
Tag dem andern sagt den Spruch und eine Nacht der 
andern meldet die Kunde" (Ps. 19,  Und da nach 
der Schöpfungsgeschichte Tag und Nacht die Namen für 
Licht und Finsterniss sind, so gehört hierher auch das 
Wort des Herrn an Hiob, „wo der Weg zur Wohnung 
des Lichts sei und die Finsterniss, wo sie ihren Sitz 
habe" (Hiob 38, 19.  S0 scheint auch der Morgen 
persönlich aufgefasst zu sein, wenn ehendaselbst gefragt 
wird (v.  nhast du bei deiner Zeit dem Morgen ge- 
boten und dem Morgenroth seinen Ort gezeigt, dass es 
umfasse die Säume der Erde":  insbesondere werden 
dem letztern Wimpern (Hiob 3, 9. 41, 10.) und Flügel 
(PS. 139, 9.) geliehen. 
Hiernach bringen auch die Kirchenlehrer solche 
Bilder. Clcmens von Rom 1) gedenkt des Tages und 
Clemens 
Rom. 
Epist. 
Corinth.
        

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