Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1031100
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dem sie jenen Schutz erweiset, und sein Zivillingsbruder 
der Tod 1) als ihre Söhne gedacht. Deutlich wird diese 
Abstammung ausgesprochen bei Hesiod: ihm zufolge ist 
die Nacht eine Tochter des Chaos und Gemahlin des 
Erebos, mit welchem sie den Aether und den Tag (Hemera) 
erzeugt; aus sich selbst aber gebiert sie ausser andern 
Wesen, zumal Schicksalsgottheiten, den Tod und den 
Schlaf 2). Später erscheinen auch die Sterne als Kinder 
der Nacht 3).  Hin und wieder war ihr ein Cultus ge- 
widmet: wenigstens soll sie in ältester Zeit zu Delphi 
ein Orakel gehabt haben, welches von ihr auf die 'l'hemis 
überging 4); und ein Orakel hatte sie zu Megara noch 
im zweiten christlichen Jahrhundert 6). Dazu wird bei 
den Tragikern sie angerufen, selbst neben dem Zeus als 
nliebe Nacht" ü), oder als „heilige Nacht",  wie Andro- 
meda klagt 7): 0 heilige Nacht, wie lang ist die Fahrt, 
die du auf der gestirnten Bahn zurücklegst.  Sie heisst 
geflügelt bei den Dichtern S): und zwar hat sie schwarze 
Fittige 9), welche sie über die Erde ausbreitet. Auch 
erscheint sie auf einem gewirkten Kleide bei Euripides 1") 
 Hom. II. 11', 672. 682. 
2) Hesiod. Theog. 123-125. 212. Vergl. Cic. De nat. deor. 
Lib. III. c. 17. 
a) Orph. Hymn. VII. v. 3. Tibull. Eleg. II, 1, 87 sq. 
4) Schol. in Pind. Hypothes. Pyth. p. 297. ed. Boeckh. Doch 
s. oben S. 53. Vergl. Voss zu Arat. Phaenom. v. 407. S. 78. 
5) Pausan. Graec. descr. Lib. I. c. 40. S. 5. 
ü) Aeschyl. Agam. v. 355. 
7) Euripid. Androm. fr. 1. p. 57. ed. Wagner. 
S) xominrsgog bei Euripid. Orest. v. 178. 
9) Daher sie Äuslauönrego; heisst bei Aristoph. Av. v. 695. Und 
bei Virg. Aen. Lib. VIII. v. 368: 
Nox ruit et fuscis teIlnrem amplectitnr alis; 
vergl. Ibid. Lib. II. v. 360. 
m) Euripid. Jon v. 1150.
        

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