Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1031023
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Nehmlich zu dem Bilde des Petrus, der vom Heiland die 
Schlüssel empfängt, sind auf dem Friese seitwärts wie 
zur Rechten die Parzen, so zur Linken die Jahreszeiten 
dargestellt 1). Der Sinn dieser Einfassung ist, wie es 
scheint, die Hauptvorstellung durch den Gegensatz zu 
heben. Es stehn sich gegenüber die Gewalt der Horen 
und Parzen über den Leib des Menschen, und die Schlüssel- 
gewalt der Kirche, die Seelen zu binden und zu lösen. 
Und wie im Bereich jener der Kreislauf des irdischen 
Lebens, Anfang und Ende, Blühen und Vergehen ist; so 
ist die Kirche, welche der Herr auf einen Felsen gegründet, 
ein Hort des ewigen Lebens und lässt alle ihre ächten 
Glieder die Macht der Zeit und des Schicksals überwinden. 
S0 erinnert diese doppelte Randvorstellung zwar für sich 
genommen an das trotzige Wort gegen den Zeus, welches 
dem Prometheus in den Mund gelegt wird 2): 
Hat nicht mich zum Manne geschmiedet 
Die allmächtige Zeit  
Und das ewige Schicksal 
Meine Herren und deine? 
Wie aber die antike Randvorstellung dem christlichen 
Hauptgegenstande sich unterordnet," dient die ganze Com- 
position vielmehr zur Veranschaulichung des Spruches 
(1 Petr. 1, 24. 25): „Alles Fleisch ist wie Gras und 
alle Herrlichkeit des Menschen wie des Grases Blume: 
das Gras ist verdorret und die Blume abgefallen. Aber 
des Herrn Wort bleibet- in Ewigkeit." 
2. Andrerseits sind die Horexi im Zusammenhang 
der Götterfabel vorgestellt,  wie man sie, drei an der 
Zahl, bei dem Gastmahl der Götter zur Vermählung des 
i) Passavant Rafael von Urbino Th. II. S. 239. 
schreib. Kaufs II, 2. S. 402. 
2) Goethe Prometheus, in s. W. Th. Il. S. 79. 
Platner Be-
        

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