Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027693
die geoffenbarte Religion, indem sie die Götter aus der 
Natur entfernte, dieselbe der Gottheit desto näher ge- 
stellt: und in ihrer heiligen Poesie ist mit tiefem Gefühl 
und erleuchtetem Verständniss der Natur mehr Leben und 
Freiheit geliehen, als jemals die Dichter und gar die 
Weisen des heidnischen Alterthums ihr zuerkannt haben. 
Denn nicht wird die Natur dort aufgefasst als Inbe- 
griff unwandelbarer Gesetze, sondern als der Schauplatz 
der Vorsehung, die freilich ihre Satzungen ihr gegeben, 
welche sie nicht überschreitet (Ps. 148, 5.  aber Gott 
ist es, der den Himmel wie ein Gezelt ausbreitet, der 
die Berge macht und den Wind schafft, der das Gras auf 
dem Felde kleidet, die Vögel unter dem Himmel nährt 
und seine I-land aufthut alles was lebt zu sättigen 1),  
ja dessen Odem in aller Creatur ist, dieselbe schafft und 
erhält (Ps. 104, 29.30.). Demgemäss erscheint auch die 
Creatur in höherer Würde, seelenvoll, mit Empfindung 
und Erkenntniss ausgestattet. Es wird zuerst von Himmel, 
Erde und der ganzen Natur vorausgesetzt, dass sie die 
Stimme Gottes und der Propheten hören, von denen sie 
daher zu Zeugen aufgerufen werden. S0 richtet Jehova 
an Himmel und Erde seine Klage über sein undankbares 
Volk Juda (Jesd,  und an Berge und Hügel Israels 
seine Drohungen (Ezech. 6, 3. Mich. 6, i.   wie 
auch Moses für sein letztes Lied zum Preise des Herrn 
die ganze Welt zum Zeugen nimmt 3).  Weiter heisst 
es aber von ihr und allen einzelnen Werken der Schöpfung, 
dass sie ihren Meister loben und seine Herrlichkeit aus- 
1) Ps. 104., 2; Jes. 44., 24; AmOS 4, 13; Matth. 6., 29- 39; Matth. 6, 
20; Ps. 104, 28. 
2) Vcrgl. Jerem. 2, 12: staunel: ihr Himmel darob und schaudert 
und starret sehr, spricht Jehova. 
3) 5. Buch Mos. 32, 1: merket ihr Himmel, dass ich rede, und 
es höre die Erde die Worte meines Mundes.
        

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