Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1030971
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dieser heidnischen Gottheit sitzt aber ein Männlein mit 
rothen Strumpfhosen und weitem Mantel, welches die Geige 
streichend das Gesicht zu einem fröhlichen Gelächter 
verzieht: dieser lachende Gcigenspieler lehnt sich an eine 
stattliche Kirche an. Der Gegensatz, der hierdurch an- 
gedeutet zu sein scheint, tritt noch bestimmter hervor 
in den oberen Figuren: es erscheint dort erstens das Brust- 
bild wahrscheinlich eines heidnischen Priesters, den ein 
Teufel bei den Haaren reisst, während ein Alle das vom 
Haupte fliessende Blut leckt;  weiterhin sitzen zwei 
Affen, welche eine Nachteule krönen, und zwar in der 
Mitte von Schnörkelwindungen, die nach oben in einen 
dämonischen Kopf mit langen Ohren und breitem Munde 
sich verlaufen. Zu beiden Seiten dieses Schnörkelwerks 
stehen zwei Heilige, wahrscheinlich Johannes der Evangelist 
und Papst Gregor der Grosse, einen ernsten Gegensatz 
bildend zu dem bunten dämonischen Inhalt der Buch- 
stabenzierden. Das Ganze scheint den Triumph der 
christlichen Kirche über das Heidenthum anzudeuten. 
2. Ohne diesen religionsgeschichtlichen Hintergrund, 
allein nach dem Parallelismus, der zwischen dem Kreis- 
lauf der Jahreszeiten und dem Kreislauf des menschlichen 
Lebens, der selbst von jenem abhängt, so natürlich sich 
darbietet, aber in sittlicher Anwendung im Sinne des 
Spruchs: „die Welt vergeht mit ihrer Lust" (1 Joh. 2,  
iSl die Kunstvorstellung der Jahreszeiten angeordnet, welche 
(19111 griechischen Mittelalter cigenthümlich ist. Das Hand- 
bllßh nehinlich der griechischen Kirchenmaler von dem 
Mönch Dionysius etwa aus dem 15. Jahrhundert, das aber 
ältere Traditionen bewahrt 1), giebt Anweisung zu folgen- 
dem Bilde, welches die Aufschrift erhält: 
oben 
305.
        

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