Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1030951
JOD 
städtischer Volkssitte, nach einem Zeugniss des 15. Jahr- 
hunderts aufzuweisen 1). Da sind es zwei Reitergeschwader, 
welche am ersten Mai wie zu einem harten Kampf sich 
rüsten und gesondert in die Städte einziehn: der Bitt- 
meister des einen, unter dem Namen Winter, ist mit 
viel Pelzen angethan und mit Feuergabeln bewaffnet, der 
reitet hoffärtiglich hin und wieder und wirft Schneeball 
nebst Eisschemel von sich; der Rittmeister des andern, 
Blumengraf genannt, ist mit grünem Gezweig, Laub und 
Blumen bekleidet und mit leichten Sommerkleidern an- 
gelhan: diese halten alsdann ein öffentliches Stechen und 
Turnier. Der Winter und sein Gefolge werfen um sich 
mit Asche und Funken, das sommerliche Gesinde dagegen 
zeigt künstlich gezogene Birkenmaien und Lindenzweige, 
als ob sie aus dem Wald geholt wären,  eine Täuschung, 
um derentwillen die Gegner desto heftiger andringen; 
endlich wird dem Sommer von dem umstehenden Volk, 
welches der strengen Herrschaft des Winters müde ist, 
der Sieg zugesprochen. 
In manchen Gegenden des mittleren Deutschlands, 
namentlich nach dem innern Franken zu, ist in jenem 
Kampf an die Stelle des Winters der Tod getreten, da 
im Winter die Natur erstirbt. Weiter östlich und nörd- 
lich, in Thüringen und Meissen, zumal bei den Slaven 
in Schlesien, der Lausitz und Böhmen, ist es Sitte ohne 
diesen Kampf in derselben Jahreszeit den Tod allein aus- 
zutreiben in Gestalt einer Puppe oder eines Strohmannes, 
der theils in's Wasser getaucht, theils verbrannt wird 2). 
1) OI. Magnus Hist. de gent. septentrion. Lib. XV. c. 2. 3. Ins 
Teutsch bracht durch Jsr. Achatium. Strassb. 1567. BI. CCXXXII. 
b. (f. 
2) Jac. Grimm a. a. O. S. 726-728. 730 1T.
        

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