Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027685
ist es wie ein Zwiegespräch, das er mit ihr führt; ja es 
scheint ihm in den Erweisungen der Macht und Güte, 
in dem zerstörenden Walten der Elemente, wie in dem 
lieblichen Wehen der Morgenröthe, dem Flüstern des 
Waldes, dem unendlichen Wallen der Gewässer ein 
Antlitz sich zu zeigen,  ein gleichartiges Wesen, das 
bald ein dunkles Grausen ihm erweckt, bald sehnsuchts- 
volle Hingebung ihm einllösst. 
Mit einem Wort der Mensch, wenn er in die Natur 
sich versenkt, findet ein Subject sich gegenüber. Der 
letzte Grund davon ist der, dass jenseits der Natur ein 
Subject ist, welches durch diese zu ihm spricht 1). 
Wenn aber die Ahnung dessen es ist, welche im 
Heidenthum die Naturgottheiten in's Dasein gerufen und 
göttliche Verehrung auf sie übertragen hat; so hat doch 
1) Aus diesem Grunde, im Zusammenhang mit der hier folgenden 
biblischen Nachweisung, kann ich der Ansicht nicht beistimmen, 
welche  als Grund dafür, dass „die Italiener keine Landschaft 
haben, sie auch eigentlich nie gehabt haben,"  aufgestellt 
wird von Ad. Stahr, Ein Jahr in Italien Th. II. S. 418 f.: 
"Erst eine Weltanschauung, welche bewusst oder unbewusst 
schon den ersten Schritt zum Abfall von der Transcendenz ge- 
than hat und sich auf dem Wege zum Pantheismus befindet, 
kann in der Natur die Verwandtschaft mit der eigenen Seele 
entdecken. Das streng ascetische Christenthum dagegen kann in 
ihr nur entweder die Gottverlassenheit, welche indessen, im Wun- 
derbaren Widerspruche, doch wieder zu Gottes Ehre und Preise da 
ist, anerkennen, oder es muss, wo dieses Christeuthum wie bei 
diesen Romanen noch ganz in heidnischem Boden wurzelt und 
demgemäss die Natur ganz von dem naiv egoistischen Standpunkte 
der Alten betrachtet wird, auch das antike Verhältniss, nur in 
gesteigertem Maasse, nothwendig wieder eintreten."  Wobei 
ich nur, was die Verbindung dieser beiden Sätze betrilTt, bemerke, 
dass das System de? Transcendenz nicht nothwendig einen meta- 
physischen oder einen ethischen Dualismus in sich schliesst, also auch 
keineswegs einestreng ascetische Auffassung des Christenthums (die 
unfähig wäre, den Eindrücken der Natur sich hinzugeben) bedingt.
        

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