Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1030860
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Der eigenthümlich christliche Gedanke knüpft an das 
Schicksal des Waizenkorns an, welches gesäet wird und 
stirbt, um wieder lebendig zu werden (1 Cor. 15, 36.  
Darnach sind Saat und Frucht ein Bild der Auferstehung 1). 
S0 sind auch die Erscheinungen der Erndte vermöge 
der daher entlehnten Gleichnisse der h. Schrift von dem 
Tode und dem ewigen Leben in ähnlicher Weise be- 
deutungsvoll am Grabe des Christen. Aber auch die 
Jahreszeiten insgesammt, wie überhaupt der Kreislauf 
irdischer Dinge, werden als ein Zeichen der Auferstehung 
angenommen 2): zumal der Uebergang vom Winter zum 
Frühling, indem er ein Vorbild giebt, wie auf das Ende 
ein neuer Anfang folgt. Da diese Vorstellung dem ge- 
meinsamen christlichen Bewusstsein angehört, so wird 
auch die Darstellung der Jahreszeiten auf christlichen 
Denkmälern denselben Gedanken in sich schliessen 3). 
Das wichtigste Denkmal dieser Art ist der mehr- 
erwähnte Sarkophag des Junius Bassus vom J. 359, des- 
sen Querseiten diese Vorstellung enthalten 4). Die ganze 
 Dies Gleichniss hat schon Cle mens Rom. aufgenommen Ep. I. 
ad Gorinth. e. 24. 
2) Origen. Comment. in op. ad Rom. lib. V. c. 9. Opp. T. IV. 
p. 564. col. i. b. c. erläutert die Angemessenheit des Ausdrucks 
„so wir aber sammt ihm gepltanzet werden zu gleichem Tode, 
so werden wir auch der Auferstehung gleich sein" (Böm. 6,  
wie nehmlich das Sinnbild nach beiden Seiten zutreife, durch 
die Bemerkung: omnis enim planta post hyemis mortem resur- 
rectionem veris exspectat etc. Tertullian. l. c.: totus igitur 
hie ordo revolubilis reruln testatio est resurrectionis mortuorum. 
Minuc. Fel. Octav. c. 34: vide quam in solatium nostri resur- 
rectionem futuram omnis natura meditetur;  . exspectandum 
nobis etiam corporis ver est, vergl. oben S. 91. 
3) Ich befinde mich hiermit in Widerspruch mit Winckelmann 
W. ll. S. 628., dem diese Deutung „zu gelehrt gedacht" scheint. 
4) Diese Reliefs, von Bosio und Aringhi übergangen, sind zuerst 
bei B0 tta ri Scult. e pitt. Sagte T. I. p. I. und p. 1. mit Erkliir.
        

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