Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1030645
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Scenen an den Himmel gesetzt. Von dem grossen Bär 
(dem Wagen) und dem sogenannten Reuter (Alcor), das 
ist der kleine Stern, welcher über dem mittlern im 
Schwanz desselben steht, heisst es 1): „Ein Fuhrmanxi 
fuhr einmal unsern Heiland, der versprach ihm zum Lohn 
das Himmelreich; der Fuhrmann aber sagte, er wolle 
lieber in Ewigkeit fahren von Aufgang bis zu Niedergang: 
sein Begehren wurde erfüllt, der Wagen steht am Himmel 
und der oberste von den drei Deichselsternen, der soge- 
nannte Reuter, ist der Fuhrmaxm." Von dem Ursprung 
der Plejaden aber wird erzählti): „Christus ging an 
einem Beckerladen vorüber, wo frisches Brodt duftetc 
und sandte seine Jünger hin, ein Brodt zu erbitten; der 
Becker schlug es ab, doch von ferne stand die Beckers- 
frau mit ihren sechs Töchtern und gab das Brodt heimlich: 
dafür sind sie als Siebengestirn an den Himmel versetzt, 
der Becker aber ist zum Kukuk geworden und solange er 
Frühjahrs ruft, ist das Siebengestirn am Himmel sichtbar 3). 
Auch aus dem Orient wird von einer christlichen 
Deutung der Sternnamen berichtet. Während die Sterne 
im Viereck des grossen Bären bei den Arabern (gleich- 
wie bei den Hebräern) den Namen Bahre führen, sollen 
von den christlichen Arabern dieselben die Bahre des 
1) Jac. Grimm a. a. O. S. 688 f. 
2) Ebendas. S. 691 f. 
3) So erhalten auch die Mondilecken eine biblische Deutung, wenn 
es entweder Kain sein soll, der dort erscheint mit einem Bund 
Dornen auf den Schultern, womit er Gott ein schlechtes Opfer 
darbringt (nach italienischer Sage bei D ante Parad. II, 49-51.); 
oder Isaac, der ein Bündel Holz selbst zu seiner Opferung auf 
den Berg Moria trägt; oder der Holzdieb, der am h. Sonntag 
unter der Kirche W'aldfrevel verübt hat (nach 4 Mos. 15, 32.) 
und nun zur Strafe in den Mond verwiinscht worden ist,  
welche Gestalt der Fabel in Deutschland fast allgemein ange- 
nommen ist. S. Jnc. Grimm a. a. O. S. 68Oe-683.
        

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