Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1029479
155) 
Grien l) zu Anfang des 16. Jahrhunderts sieht man eine 
Schwarze Wolke vom Himmel sich herabsenken 2). 
Die ebenfalls im 15ten Jahrhundert sich verbreitende 
entgegengesetzte Richtung, welche mythologische Motive 
des heidnischen Alterthums in die christliche Kunst ein- 
führt, hat jedoch auf diese himmlische Scenerie nicht 
eingewirkt; wenigstens sind Denkmäler, wie sie in einem 
früheren Zeitalter vorgekommen, in denen Sonne und 
Mond in der Figur der heidnischen Gottheiten den Ge- 
kreuzigten umgeben, aus dieser Zeit nicht nachzuweisen. 
Nur in der Poesie findet sich eine Andeutung dessen, in 
dem Gedicht des Sannazar zu Anfang des 16. Jahrhunderts 
von der Geburt der Jungfrau, worin eine Weissagung 
von dem Tode Christi dem David in der Unterwelt in 
den Mund gelegt wird 3): da ist nicht allein, wie in der 
evangelischen Geschichte, von der Verfinsterung der Sonne 
die Rede, das ist hier des Sonnengottes, der, über den 
Frevel erzürnt und seinen Schöpfer und König beweinend, 
l) In der K. Gallerie zu Berlin n. 597. 603. Auch in einem Ge- 
mälde des Jac. Bassano ebendas. n. 324. ist oberhalb des Kreuzes 
eine schwarze Wolke ausgebreitet. 
2) Um auch ein späteres Beispiel namhaft zu machen, so zeigt eine 
Kreuzigung van DyclCs in der Gemäldesammlung der Akademie 
zu Antwerpen Christus von dem matten Grau des verfinsterten 
Himmels umgeben; Schnaase Niederländ. Briefe S. 281. 
a) Sannazar De partu virg. (s. oben Th. I. S. 281 if.) Lib. I. 
v. 369-378: 
 Quod scelus Eois ut primum cernet ab undis 
Sul, indignanteis retro convertere currus 
Optabit, frustraque suis luctatus habenis 
Quod poterit tandem, auratos ferrugine crineis 
lnßciet, mnestamque diu siue lumine fronlem 
Ostendet terris: ut qui jam ploret adempmm 
Auctorem regemque suum. Quin ipsa nigranti 
Fratris ab ore timens et tanto concita casu 
Cynlliia, caerulen vultus obnubet amictu 
Avertetque ocnlos lacrymasque effundet inaneis.
        

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